Lieber Wolfgang,
Du schreibst: »Die erwähnten Glaubenden erlangten nicht, was verheissen war, weil die Erfüllung jener Verheissungen nicht für ihre Zeit sondern eine spätere Zeit verheissen war«.
Deine Argumentation klingt gut, aber könnte ich es nicht ebenso gut genau anders herum formulieren? Und ist nicht gerade die stetige Erwartung des Kommenden unser Ziel, das wir nicht aus den Augen verlieren sollten? Wenn alles schon erfüllt sein soll, wohin sollte ich mich dann noch orientieren? Ich sehe in der Offenbarung eine zweifache zeitliche Dimension der Erfüllung. Geschrieben wurde sie für die Jünger Jesu, die Urgemeinde, die sehnsüchtig den Tag der Wiederkunft ihres Herrn Jesus Christus erwartete, als auch für alle Gläubigen nach dem ersten Kommen 70 nChr. bis auf den heutigen Tag. Die Errettung der Welt, das Kommen Jesu, die Neue Erde, all das steht weiterhin denen bevor, die den Glauben bewahren, Gottes Gebote halten und ausharren. Jesus kann, und das halte ich für den wichtigsten Aspekt der Offenbarung, JEDERZEIT vor der Tür stehen und anklopfen. Es gibt nicht eine Gemeinde, die zeitlich vor der anderen wäre, es betrifft uns ALLE. In Geduld sollen wir uns üben, ebenso wie Noah und seine Angehörigen wohl viele Jahre damit verbrachten, die Arche zu bauen, ausgelacht zu werden, weil sich nichts von dem zeigte, wofür ein solch großes Schiff mitten in der Wüste einen Sinn gemacht hätte. Wenn schon Noah und seine Familie 100 Jahre ausharrten, obwohl sie den Erlöser Jesus noch nicht kannten, sollten wir als Christen nicht auch warten können, selbst wenn der Messias sich noch viele Jahre Zeit lässt mit seinem Kommen?
Es bleibt weiterhin die Frage, wenn sich 70 nChr ALLES erfüllt haben sollte, worin wir dann die Erfüllung all der Verheißungen sehen können, wie eine "Neue Erde", in der das Böse vernichtet wurde, in der die "Hure Babylon" zerschmettert wurde, in der ein kristallklares "Wasser des Lebens" und "Bäume des Lebens" uns erfreuen, wo Lamm und Löwe zusammen friedlich weiden. Nichts von dem hat sich DAUERHAFT auf der Erde bisher eingestellt. Die Erde liegt weiterhin in der Finsternis. Kriege, Hungersnöte, Erdbeben, Seuchen, Hass, Ausbeutung, Armut, Korruption, Sex und Gewalt überall auf der Welt. Wir sind vielmehr mittendrin in der Apokalypse. Aber das ist noch nicht das Ende, sagt Jesus. Erst muss das Evangelium auf der ganzen Erde verkündet werden. Tun wir das weiterhin, und vergessen wir all die Bilder von der menschengemachten Endzeit. Niemand weiß die Stunde noch den Tag, nicht mal der Sohn wusste es, als er auf der Erde war. Nun weiß er es, und sein Reich ist längst aufgerichtet, nur wir sehen es noch nicht.
So wie die Christen und Juden, denn viele von ihnen waren ebenso Anhänger Jesu, waren in hoffnungsvoller Erwartung, als sich die Dinge in Jerusalem in den Jahren 66-73 n.Chr. erfüllten. Aber ist damit bereits ALLES erfüllt? Der Tempel in Jerusalem wurde nicht nur einmal zerstört, auch das Volk Israel wurde mehr als einmal zurück geführt ins gelobte Land. Die Ereignisse wiederholen sich. So wie die Zerstörung des Tempels und die Vernichtung Jerusalems begleitet wurden von Erdbeben, Kriegsgeschrei und anderen vorausgesagten Nöten, in der gleichen Weise durchleben seitdem immer wieder Nationen dieselben Ereignisse. In den Katastrophengebieten Asiens lassen Flutwellen und Erdbeben die Menschen erzittern, in vielen anderen Ländern wie Sudan, Irak, Afghanistan oder Burma erleben die Menschen die HÖLLE auf Erden. Apokalpyse - nicht ein Zeichen der "Endzeit" als vor uns liegende kurze Epoche, sondern als Zeichen der Rache Gottes für all das Böse auf der Welt, seit Schaffung der Erde, und insbesondere, seitdem Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat und sie auch dessen Worte verworfen haben.
Vor rund 2.000 Jahren sagte Jesus, dass die "letzten Tage" mit ihm begonnen haben und dass das Reich Gottes sich "genaht" habe. Auch das "Pfingstwunder" war die Erfüllung einer Voraussage über die "letzten Tage". Der heute gebräuchliche Begriff der "Endzeit" ist eine Verdrehung von Gottes Wort, die oft nur dazu dient, JETZT möglichst viele Menschen zu ängstigen, damit sie sich denen, die solches verkünden, ausliefern. Viele Sekten sammlen kräftig, Menschen und Geld, mit diesen Einschüchterungsmethoden, da es funktioniert. Die "letzten Tage" aber haben die Propheten, Jesus und die Apostel ganz anders beschrieben.
Mt 3,2 ...Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Apg 2,16-17 ...das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):
»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott,
da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch...
Heb 1,1-2 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat
zu den Vätern durch die Propheten,
hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn,
den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat.
---------- JESUS kommt BALD ----------
Ob nun Jesus "eilends", "schnell" oder "bald" wieder kommen wollte, seine Voraussage über seine Ankunft in den Wolken könnte sich tatsächlich 40 Jahre danach erfüllt haben (Mt 24, Off 22,20). Möglicherweise wurden hierbei die 144.000 Ausgewählten "entrückt". Jesus aber kam in den Wolken, nicht auf die Erde. Die "Neue Erde", das "Neue Jerusalem", wie uns die letzten Kapitel der Offenbarung verheißen, stehen uns also noch bevor, auch wenn sich vieles von dem, was die Offenbarung ankündigt,
- bereits erfüllt hat,
- sich wiederholt erfüllt,
- oder weiterhin in der Erfüllung ist.
So wie aber Maleachi Jahrhunderte vor Jesus den Erlöser ankündigte, so bedeutet das Wort "bald" nicht zwangsweise, dass sich alles innerhalb nur einer "Generation" erfüllt (Mal 3,1). Ich verstehe nicht, wieso Du einerseits die "1000 Jahre" in Off 20 nicht wörtlich verstehst, andererseits aber so sehr darauf beharrst, dass das Wort "bald" ebenso wie "Generation" wörtlich zu verstehen ist in einem ganz engen Sinne, nämlich exakt auf 40 Jahre. Dem entgegen steht doch schon, dass niemand die Stunde und den Tag kennt. Würde uns auch nur das Jahr der Wiederkunft Christi bekannt sein, wäre es doch verflucht einfach, sich darauf einzustellen, oder? Wie sollte denn "BALD" überhaupt exakt festgelegt werden? Wenn ich meinem Sohn fürsorglich erkläre, dass er BALD zum Zahnarzt müsse, wenn er weiter soviel Süßkram isst, dann verwende ich das Wort "bald" in einer ähnlichen Dimension, wie Jesus es getan hat. Aus Liebe möchte ich verhindern, dass mein Sohn zum Zahnarzt muss wegen schlechter Zähne, und deshalb male ich ihm die düstere Zukunft aus, die sich irgendwann so erfüllen kann. Jesus möchte, dass wir uns vom Schlechten abwenden und warnt uns vor den Folgen, die sich "bald" für uns einstellen, wenn wir nicht umkehren. Jesus steht vor der Tür, nicht in exakt 40 Jahren, sondern jederzeit. Wir müssen nur auf ihn hören, seine Worte aufnehmen und ihm folgen. Jederzeit!
Keinesfalls aber beendeten die Ereignisse um 70 nChr die Erfüllung insgesamt. Es waren die "letzten Tage", der "letzte Tag" aber steht uns noch bevor. Die letzten Tage dauern nunmehr 2.000 Jahre an. Und immer noch sollen wir ausharren. Wenn man allerdings die Katastrophen auf der Erde betrachtet, könnte man meinen, dass das Ende so "nahe" ist, dass es durchaus in den nächsten 5 oder 10 Jahren geschehen könnte. Viele Propheten treten heute genau mit diesen Voraussagen auf. Millionen Menschen auf der Erde glauben diesen Irrlehren. Es gibt zahlreiche Gruppierungen, die "Beweise" für ein Ende der Zeiten im Jahr 2012 begeistern und eifrig Katastrophenmeldungen aus aller Welt sammeln. Sind nicht gerade unsere Wissenschaftler dabei, sich an den "Baum des Lebens" zu machen, wird es daher nicht Zeit, dass der Schöpfer einschreitet und die Tage "verkürzt" (Mt 24,22; Mk 13,20)?
Lieber Wolfgang. Ich habe noch eine ganz wichtige Frage an Dich. Mag sein, dass Du dazu schon geschrieben hast. Dann fehlt mir die Information dazu dennoch. Wie siehst denn Du die Zukunft? Glaubst Du noch an eine "Neue Erde", in der Jesus Christus auf dem Thron mit seinem Vater in Frieden herrschen wird? Könntest Du Dir nicht vorstellen, dass ein 1.000 jähriges Reich die Chance bietet, die verseuchte Erde zu regenerieren und wieder zu einem Paradies werden zu lassen, so wie der Garten Eden? Da, wo heute aus kargen Landschaften die letzten Ölreserven gepumpt werden, war einmal fruchtbares Land. Sicherlich könnte Gott, wenn er wollte, das mit einem Wort allein wieder herstellen. Doch ich vertraue seinem Wort, und das sagt mir, dass dies nicht sein Plan ist. Gott möchte uns Menschen daran beteiligen. Die Erde wird mit den Gerechten wieder aufgebaut, die Nationen werden geheilt, die Natur wieder hergestellt, in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt, wie von Anfang an alles gut und vollkommen war (Gen 1).
Off 22,1-5 Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall,
der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes;
mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens,
die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht,
und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.
Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein.
Und der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein,
und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen,
und sein Name wird an ihren Stirnen sein.
Und es wird keine Nacht mehr sein,
und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne;
denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Wenn aber all dies bereits erfüllt sein soll, welche Verheißung bleibt uns denn noch?
Liebe Grüße
Reinhard