Schöpfung

Austausch zu allgemeinen Fragen zur Auslegung der Bibel

Schöpfung

Beitragvon carboni » 28. Mai 2015, 13:40

Hallo,

ich würde gern eine Frage ins Forum stellen, die immer wieder für Gesprächstoff und Diskussionen führt. Gestern beispielsweise hatte ich ein Gespräch, in dem das Thema Evolution vorkam und bezeichnenderweise sagte jemand, dass der eine Pfarrer an die Evolution glauben würde, ein anderer jedoch schon wieder nicht.
Eine kontroverse Angelegenheit, die anscheinend in der Mehrzahl der Gläubigen mit einem Zuspruch zur Evolution beantwortet wird, obwohl immer wieder auch die gegenteilige Ansicht vertreten wird, dass Evolution bei der Schöpfung keine Rolle gespielt hätte.
Letztlich ergibt sich daraus die Frage, wie man die Genesis, in dem Teil der von der Erschaffung handelt, verstehen soll oder verstehen muß. Welchen Standpunkt nehmen die User dieses Forums ein?
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Re: Schöpfung

Beitragvon Markus » 10. Juni 2015, 19:04

Hallo Carboni!

Natürlich kann hier nur jeder für sich selbst Antwort geben. Meine Position ist, dass ich die Evolutionstheorie als Erklärung für die Entstehung des Lebens oder die Entstehung Gattungen und Familien von (Tieren und Pflanzen) durch Evolution ablehnend gegenüber stehe. Sehr wohl halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass aus bestimmten Grundarten alle Unterarten entstanden sind. Also wenn, dann glaube ich eher an eine Devolution, statt eine Evolution von der Amöbe zum Menschen. Dass durch ein zufälliges Zusammenwirken neue lebensfördernde Eigenschaften entstehen oder entstanden sind, konnte und kann nicht bewiesen werden. Es kann und wird immer nur das Entstehen können, was schon als Information in irgend einer Weise gespeichert war. Aus Nichtinformation kann niemals Information entstehen. Persönlich glaube ich an GOTT als SCHÖPFER, als DEN Urgrund allen Seins, als ewig schöpferische Unendlichkeit, welche alles und somit auch alle Formen und Strukturen hervorbringt und hervorgebracht hat. Den Schöpfungsbericht sehe ich als einen Ausschnitt der gesamten unendlichen Tätigkeiten des SCHÖPFERS an, in dem es vor allem um die Erschaffung des Menschen zum Bild GOTTES ging.

Herzliche Grüße Markus
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Re: Schöpfung

Beitragvon carboni » 11. Juni 2015, 07:28

Hallo Markus,

du sagst, jeder könne sich da nur selber eine Antwort geben, das ist zwar richtig, aber auch irgendwie unbefriedigend. Denn immerhin würde ich sagen, es kann nur eine richtige Antwort, die der Wahrheit entspricht, geben.
Erstaunlicherweise halten doch viele Christen eine Evolution, die eine Entwicklungsgeschichte aufweist, für gegeben und bewiesen. Im Prinzip ist es ein Glaube an die Wissenschaft plus Gott irgendwo dazwischen.
Ich frage mich, was sich für den Glauben an sich dadurch ergibt? Darf man die Bibel mit einer Evolution auslegen? Welche Konsequenzen hätte dies?
Eine Frage, die sich übrigens auch für einen Dreieinigkeitsglauben ergibt. Wie ist das zu bewerten? Dreieinigkeit als unbiblische Lehre, wie wird sich das auf einen Christen auswirken wenn er das vertritt und vor allem, wie wird Gott dies beurteilen?
Im Allgemeinen, wie im Speziellem stellt sich also die Frage, nach der Auswirkung falscher Lehren.
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Re: Schöpfung

Beitragvon Markus » 11. Juni 2015, 16:05

Hallo Carboni!

Ich gehe schon davon aus, dass die meisten Mitglieder des Forums die Evolutionstheorie ablehnen. Mir sind aber auch Mitglieder bekannt, welche eine von GOTT gesteuerte und gelenkte Evolution für möglich halten, oder sie vertreten.

Von der Bibel her würde ich gegen die Evolutionstheorie einwenden, dass es im Schöpfungsbericht heißt, dass GOTT jedes nach seiner Art geschaffen hat. Das Hebräische MIN meint wohl an dieser Stelle eine Grundart, also zum Beispiel den Wolf oder den Hund, oder eine Großkatze, oder eine perde oder eselartiges Tier, alle mit einem entsprechenden Genpol und mit Variationsmöglichkeiten ausgestattet.

Der zweite Punkt den ich von der Bibel her gegen die Evolutionstheorie einwenden würde, ist der Zeitraum, welcher in der Bibel für die Erschaffung der Tierarten und die Erschaffung des Menschen genannt wird. Der 5.Tag und der 6.Tag zusammen ganze 48 Std. Wegen des Vergleichs mit dem Sabbatgebot, in welchem davon die Rede ist, dass der Mensch 6 Tage arbeiten soll, ist ein Grund die 6 Tage wörtlich zu verstehen.

Der dritte Punkt, wäre, dass vor dem Sündenfall noch kein Tier und noch kein Mensch gestorben sein kann, gemäss dem Römerbrief K.5

Etwas anderes ist mit der Frage, welchen Teil des Schöpfungshandelns GOTTES in 1.Mose 1,1-31 und 1.Mose 2 eigentlich beschrieben wird. Ich denke nur ein ziemlich kleiner Ausschnitt, uns zwar der, welcher von den Menschen damals im Blickfeld kam. Vers 1 ist eine Überschrift, Vers 2 beschreibt eine völlig verdunkelte und von Wasser bedeckte Erde/Landfläche. Vers 3 erwähnt wie die Erde wieder in ein Lichtfeld kam, offen was und war mit dem Licht eigentlich gemeint sein könnte (vielleicht GOTT in einer Art Offenbarungsgestalt?), dann Luftbereiche, Landfläche, Meere, Pflanzen, Sonne, Mond und Sterne(Planeten wurden in Position gebracht und sichtbar gemacht, Luft und wassertiere, die Landtiere und der Mensch. GOTT hat durchaus auch unvorstellbar, ja unbeschreiblich viel mehr Dinge erschaffen, aber dies wäre in diesem Schöpfungsmodell de Bibel nicht das Thema, weil es eben um die Erschaffung des Erdbewohners Mensch geht und darum dass alle vorbereitenden Werke in einer Beziehung zu dem Hauptwerk, welche in der Erschaffung des Menschen bestand, stehen.

Dies alles heißt keineswegs, dass GOTT nicht auch substanziell und wesenhaft betrachtet, Urgrund und SCHÖPFER aller ja "unendlich" vieler Substanzen Strukturen. Formen und Wesen wäre. Nur gibt es diese Substanzen, Formen, Strukturen und Wesen schon unvorstellbar viel länger, als 6 oder 7000 Jahre. (Ich habe kein Problem mit spontaner und schneller Schöpfung.

GOTT hat für mich 3 grundlegende Eigenschaften, ER ist EWIG, ER ist SCHÖPFERISCH und ER ist UNENDLICH: Wenn ich daher von GOTT im absoluten Sinn Rede, dann nenne ich IHN, die ewig schöpferische Unendlichkeit. Die Bibel deutet etwas davon an wenn Salomo betet, dass auch der tiefste und weiteste Himmel GOTT nicht zu fassen vermag, weil ER in seiner Gegenwart Unendlichkeit ist, oder wenn Jesus sagt, dass GOTT GEIST ist.

Für die Erkenntnis und Einsicht, dass EIN SCHÖPFER, ein unveränderlicher Urgrund allen SEINS, eine ewig schöpferische Unendlichkeit IST, bedarf es der Offenbarung nicht, es sei denn die Offenbarung der Natur und Schöpfung selbst. Für die Erkenntnis und Einsicht, dass der Mensch zu GOTT als Person hin im Bild GOTTES geschaffen wurde, und dass das Ziel des Menschen die Gemeinschaft mit GOTT ist schon.

Herzliche Grüße Markus
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Re: Schöpfung

Beitragvon carboni » 13. Juni 2015, 05:26

Hallo Markus,

wie ich sehe, sind wohl so auf einer Linie, was die Betrachtung der Schöpfung angeht.

Diesen Satz habe ich aber nicht ganz verstanden, wie meinst du das?

... Nur gibt es diese Substanzen, Formen, Strukturen und Wesen schon unvorstellbar viel länger, als 6 oder 7000 Jahre. (Ich habe kein Problem mit spontaner und schneller Schöpfung.


Die Evolution kann ja nach meinem Dafürhalten nicht belegt werden, wesentliche Kernelemente finden zwar eine Beschreibung, die dennoch aus immer den gleichen Schlagwörtern besteht, die in Wahrheit keine Aufklärung darüber liefern, wie das Ganze denn im Einzelnen abgelaufen sein soll. Die ganze Angelegenheit ist theorieabhängig in ihren Deutungen, mit Merkmalen eines ideologischen Glaubenssystems. Trotzdem halten sie viele Christen für erwiesen und berufen sich darauf, wenn es um den Schöpfungsbericht geht.
Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Müssen wir die Bibel wirklich mit dem Verständnis einer dem Grunde nach atheistischen Lehre auslegen? Das Problem wird ja von denjenigen, die eine Evolution als Schöpfungsmethode Gottes ansehen dadurch gelöst, dass behauptet wird, man dürfe den Schöpfungsbericht eben nicht wörtlich nehmen, sondern als allegorische Beschreibung oder sonstwie als metaphorischen Bericht. Eine wortwörtliche Auslegung wird also abgelehnt und eine 'Versöhnung' von Wissenschaft und Bibel auf diese Art angestrebt.
Was würdest du denen antworten, die auf diese Weise den Schöpfungsbericht unter evolutionären Gesichtspunkten auslegen möchten?
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Re: Schöpfung

Beitragvon Markus » 13. Juni 2015, 11:12

Hallo Carboni!

1.)Ich gehe davon aus, dass GOTT Pflanzen, Tiere und den Menschen auf der Erde tatsächlich innerhalb der angegebenen Zeit geschaffen hat.

2.)Ebenso gehe ich davon aus, dass GOTT, weil ER EWIG und UNENDLICH IST, auch schon immer geschaffen hat und aufgrund seiner Natur niemals untätig sein kann. Letzterer Gedanke berührt natürlich mehr das Problem von Zeit, Ewigkeit und GOTT und ist das Ergebnis logischer Reflektion.

die beiden Erklärungen stehen nicht im Widerspruch zu einander, wenn man zu der Einsicht kommt, dass der Schöpfungsbericht, uns nicht die Entstehung des gesamten unendlichen Universums beschreiben und erklären will, sondern lediglich einen Ausschnitt gibt, der sehr stark auf den Menschen auf der Erde bezogen ist.

Ich versuche einige Grundsätze bei der Auslegung der Schrift zu berücksichtigen. Es gibt tatsächlich Offenbarung GOTTES, aber GOTT geht bei SEINER Offenbarung auf den Menschen und sein Denken, sein Verständnis seine Sprache und seine Kultur ein. Grundsätze der Schriftauslegung sind daher für mich Offenbarung und Kontextualisierung. Entscheidend ist der Literalsinn und was bedeutete ein Begriff oder ein Satz für die Ohren und das Verständnis Moses und seiner Zeitgenossen.

Insofern lehnei ich eine allegorische Auslegung des Schöpfungsbericht ebenso ab, wie die Tagzeitalter Theorie, in wecher man versucht die angenommene Zeitskala der Evolution in den Schöpfungsbericht hinein zu interpretieren.

Herzliche Grüße Markus
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Re: Schöpfung

Beitragvon carboni » 14. Juni 2015, 07:33

Hallo Markus,

Entscheidend ist der Literalsinn und was bedeutete ein Begriff oder ein Satz für die Ohren und das Verständnis Moses und seiner Zeitgenossen.


aber das ist doch gerade ein Argument der theistischen Evolution, dass dies für die damalige Zeit richtig und zutreffend ist, es aber heutzutage im Lichte einer Wissenschaft neu verstanden werden muß.
Der Gedanke ist ja, dass wir heute mehr wissen als Moses und ein Literalsinn daher nicht mehr in Frage käme.
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Re: Schöpfung

Beitragvon Markus » 14. Juni 2015, 16:59

Hallo Carboni!

Auf der einen Seite steht die Angleichung an das Modell der Evolutionstheorie. Die Bibel wird dem Verständnis des vermeintlich aufgeklärten und wissenden Menschen angepasst. Will man nicht up to date bzw. rückständig sein und trotzdem Christ sein, dann bietet sich die theistische Evolution an.

Auf der anderen Seite können liberale Theologen sagen, dass Mose durchaus hat sagen wollen, dass GOTT in 6 24 Std Tagen erschaffen hat. Nur hat dies für diese Leute keinerlei Bedeutung, weil sich Mose nach ihrer Ansicht getäuscht hat

Jedoch das die Evolution gegen die Aussage von 1.Mose 1 streitet, und dass Mose die Evolutionstheorie ablehnte, bedeutet ja nicht, dass Mose ein wissenschaftliches oder modernes Weltbild hatte. Anderseits kann jemand ein altes und unwissenschaftliches Weltbild vertreten, und doch an die Evolution glauben, als der Weisheit letzter Schluss.

Damit möchte ich einfach sagen, Mose hatte Recht, wenn er die Evolutionstheorie bestritt, obwohl er vieles nicht wusste, was wir heute wissen, oder was man heute wissen kann. Menschen können in vielen Fragen richtig liegen und aufgeklärt sein und doch im Blick auf den Ursprung der Arten irren.

Herzliche Grüße Markus
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Re: Schöpfung

Beitragvon carboni » 15. Juni 2015, 09:39

Hallo Markus,

Auf der einen Seite steht die Angleichung an das Modell der Evolutionstheorie. Die Bibel wird dem Verständnis des vermeintlich aufgeklärten und wissenden Menschen angepasst. Will man nicht up to date bzw. rückständig sein und trotzdem Christ sein, dann bietet sich die theistische Evolution an.


leider würde ich sagen. Es klingt so ein bißchen nach einem Warenkorb der Möglichkeiten, obwohl, interessanterweise werden Christen, die sich auf einen wörtlichen Sinn der Schöpfung berufen, als Fundamentalisten im negativem Sinne eingestuft. Das heißt, nicht alle Möglichkeiten bzw. Auslegungen sind willkommen. Es zeichnet sich schon deutlich ein Bild ab, was aufgeklärte Christen heute zu glauben haben, um eine Akzeptanz zu erreichen. Eine vielbeschworene Einheit unter den Christen darf gewisse Tolernazschwellen nicht überschreiten, allerdings fürchte ich, eine solche Einheit ist sowieso lediglich ein Gedankenkonstrukt ohne Inhalt.
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Re: Schöpfung

Beitragvon Markus » 15. Juni 2015, 16:02

Hallo Carboni!

Auch wenn es hinsichtlich der Frage der Schöpfung ein verbindliches Bekenntnis und eine Einheit unter den Christen gäbe, würde es immer noch genug Punkte geben, in welchen es keine Übereinstimmung gäbe. Selbst wenn alle gläubigen Christen die Evolutionstheorie ablehnten, gäbe es immer noch viele Unterschiede in den Fragen der Auslegung und des Verständnisses von Genesis 1. Die meisten User dieses Forums lehnen zwar das Dogma von der Dreieinigkeit hab bzw. haben sich gewissermaßen davon befreit, aber die Anzahl verschiedener Auslegungen und Verständnissse in konkreten Fragen hat deswegen nicht abgenommen und ist deswegen nicht wengiger geworden.
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