1. Mose 1 - 3

Austausch zu allgemeinen Fragen zur Auslegung der Bibel

1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 29. April 2017, 17:56

In einigen Themen wurde teilweise recht ausgiebig über Schöpfungsbericht, Schöpfung, Evolution, etc ... diskutiert und daher mögen sich einige die Frage stellen, warum ich nun hier erneut einen Austausch über den Anfangsteil der Bibel beginne. Mein Anliegen hier ist NICHT, Gedanken zu Schöpfung und Evolution zu sammeln, oder darüber zu diskutieren, ob bzw wie der biblische Bericht mir den wissenschaftlichen Erkenntnissen moderner Anthropologie oder sonstiger Wissenschaften übereinstimmt, etc ....

Mein Anliegen ist vielmehr dies: Ich würde gerne den eigentlichen Text und das, was der Text aussagt möglichst korrekt verstehen! Ich bin der Meinung, dass die biblischen Schriften zunächst einmal korrekt verstanden werden müssen, bevor man irgend welche Gedanken darüber anstellen kann, ob und in wie weit die gemachten Aussagen z.B. auf uns heute eine Auswirkung haben oder für uns maßgebend sind. Das korrekte Verständnis erscheint mir das Verständnis zu sein, welches dem Autor mittels Eingebung (Inspiration) von Gott zuteil wurde und was der Text dann den Menschen, für die er ursprünglich niedergeschrieben wurde, mitteilte. Mit anderen Worten, was und wie haben die ursprünglichen Empfänger einer Schrift den Text verstanden? Was sollte der Text ihnen mitteilen? Ich denke nicht, dass die biblischen Schriften von Gott inspiriert und aufgezeichnet wurden, damit sich Leser jeweils ihre Interpretation zurecht biegen und dann als "ihre private Wahrheit" haben. Vielmehr sollte es unser erstes Anliegen sein, das zu verstehen, was der Text tatsächlich aussagt, was tatsächlich gemeint ist. Danach erst wäre zu bestimmen, in wieweit die Botschaft für uns Gültigkeit hat, teilweise Gültigkeit hat, oder vielleicht keine Gültigkeit hat.

Ich wäre dankbar, wenn diejenigen, die sich an dem Austausch beteiligen, ihr Verständnis jeweils am Text erläutern und aus dem biblischen Text heraus belegen, wie sie zu ihrem Verständnis gelangen. Ich selbst gestehe ein, dass mir manche Einzelheiten im Text nicht unbedingt so klar sind, dass ich behaupten würde, ich verstehe die Berichte in den ersten Kapiteln in 1Mo korrekt ... noch habe ich einige Fragen, für die mir noch nicht eine aus dem biblischen Text zwingend richtige Antwort vorliegt.

Z.B.:
  • Was ist mit "Himmel und Erde" in 1Mo 1,1 gemeint?
  • Von welchem "Anfang" handelt die Aussage?
  • Ist der Bericht von 1Mo 1,1ff als eine Art historischer Bericht / Reportage über den Ablauf verschiedener Dinge in einem buchstäblichen Sinne gemeint? oder handelt es sich bei dem Bericht um etwas anders als einen Bericht über Ereignisse?
  • Gibt es im Buch 1Mo, einmal inhaltlich als Ganzes betrachtet, eventuell eine inhaltliche Gliederung, die für ein korrektes Verständnis der Anfangskapitel von Bedeutung oder gar entscheidend ist?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon Helmuth » 29. April 2017, 18:35

An diesem Thema beteilige ich mich gerne, da es um grundlegende biblische Wahrheiten geht.
BC Editor hat geschrieben:Ich würde gerne den eigentlichen Text und das, was der Text aussagt möglichst korrekt verstehen!

Hierin findest du in mir du einen Partner. :)

BC Editor hat geschrieben:Was ist mit "Himmel und Erde" in 1Mo 1,1 gemeint?

ich verstehe darunter die physische Schöpfung, den mit unseren Augen wahrnehmbaren Himmel und die mit allen unseren Sinnen wahrmehmbaren Subjekte und Objekte physischer und biologischer Art, aber substanzbezogen.

Es heißt z.B. klar, der Mensch ist aus Erde, nicht bloß nur ein Geist bzw. eine Seele, was er im vollem Sinne einer eigenständigen Persönlichkeit ebenso ist. Eben das Abbild Gottes.

BC Editor hat geschrieben:Von welchem "Anfang" handelt die Aussage? [*]Ist der Bericht von 1Mo 1,1ff als eine Art historischer Bericht / Reportage über den Ablauf verschiedener Dinge in einem buchstäblichen Sinne gemeint? oder handelt es sich bei dem Bericht um etwas anders als einen Bericht über Ereignisse?

Früher, als Suchender meinte ich es wären Parabeln. in der Art von Gleichnissen, wie Märchen um uns moralische Inhalte zu vermitteln. Heute meine ich es sind sowohl historische als auch geistliche Begebenheiten. Beides sind Fakten.

Das Geistliche stellen manche in den Vordergrund in Ermangelung ihrer Vorstellbarkeit, oder nennen wir es doch beim Namen, in Ermangelung ihres Glaubens daran, dass es sich auch faktisch wortwörtlich derart ereignet hat.

Je mehr ich an Gott und seine Offenbarung glaube, umso mehr vertieft sich in mir die Annahme, hier haben wir sowohl einen historischen als auch einen zutiefst geistlichen Bericht vorliegen. Also nicht entweder / oder, sondern sowohl als auch.
Liebe Grüße
Helmuth
Helmuth
 
Beiträge: 377
Registriert: 11. März 2017, 07:26

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 30. April 2017, 08:03

Es freut mich, dass ich offenbar nicht der einzige bin, der sich für diese Thematik interessiert. Ich möchte zunächst nur einen Punkt aufgreifen und dazu selbst einige Anmerkungen machen.
Helmuth hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Was ist mit "Himmel und Erde" in 1Mo 1,1 gemeint?

ich verstehe darunter die physische Schöpfung, den mit unseren Augen wahrnehmbaren Himmel und die mit allen unseren Sinnen wahrmehmbaren Subjekte und Objekte physischer und biologischer Art, aber substanzbezogen.
...

Zu dem Begriff "Himmel und Erde" ("Himmel" übrigens im Plural ... "die Himmel") frage ich mich, was wohl die Menschen zu Mose Zeiten, als diese Offenbarung wohl aufgezeichnet wurde, bzw. die Menschen davor, denen diese Wahrheit wohl aufgrund mündlicher Überlieferung bekannt war, darunter verstanden.

Wenn sich der Begriff "die Himmel und Erde" in einem buchstäblichen Sinne auf den Planeten Erde und das Weltall bezieht, ergibt sich eine weitere Frage zu der Gesamtaussage von Vers 1: Ist Vers 1 -- "Am Anfang schuf Gott die Himmel und Erde" -- dann eine Art "Überschrift" oder eine einleitende zusammenfassende Feststellung, und die dann nachfolgenden Aussagen geben dann die Details? Das würde dann bedeuten, dass der "Anfang" nicht ein punktueller Augenblick, Moment war, sondern mit "Anfang" mehr "Beginn" gemeint ist, der eine gewisse Zeitspanne (nämlich u.a. die danach erwähnten "Tage" usw.) umfaßte.

Ich denke, man muss vorsichtig sein, um nicht von unserem heutigen Weltbild des Universums (Weltall und Erde) als Grundlage für ein rechtes Verständnis auszugehen ... denn der Text wurde ja nicht gerade erst gestern offenbart und niedergeschrieben, sondern richtete sich ursprünglich an Empfänger in einer ganz anderen Zeit, aus einer ganz anderen Kultur und Sprache, die sich von der unseren heutigen doch unterscheidet.

Dies rückt noch einen anderen Aspekt zu "die Himmel und Erde" in den Blickpunkt: Handelt es sich bei dem Begriff "die Himmel und Erde" eventuell um eine typische Ausdrucksweise für die ursprüngliche Sprache, also eine Redefigur, einen idiomatischen Ausdruck, der bildlich und mit besonderer Betonung etwas in einem übertragenen Sinne bezeichnet, und somit vielleicht gar nicht gezielt von "Himmel" in uns heute geläufigem Sinne von "Firmament, Weltall, etc"und von "Erde" in unserem SInne von "Planet Erde" handelt?

Ich hoffe, man kann aus meinen Ausführungen hier auch ein wenig besser erkennen, was ich mit "auf textlicher Grundlage"usw. in meinem ursprünglichen Beitrag meinte .... ich bin bemüht, in meinen Überlegungen vom Text auszugehen, und nicht etwa von uns heute vertrauten Ideen, Wissenschaften, Philosophien, etc.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 30. April 2017, 09:38

Noch einige weitere Gedanken zu "die Himmel und Erde" ...

Die Erde wird direkt anschließend in V. 2 aufgegriffen und es wird erwähnt, dass die Erde "wüst und leer (tohu va bohu)" war, außerdem wird "die Tiefe" erwähnt, auf der es finster war, und dann noch "das Wasser", auf dem der Geist Gottes schwebte.
1Mo 1,2 (Luther 84)
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Sind "Tiefe" und "Wasser" Teil der erwähnten Erde, oder zwei weitere Dinge zusätzlich zur Erde? Die nächste Erwähnung von "Erde" ist dann in V. 10, nachdem Gott einen Teil der zuvor erwähnten "Wasser" sich sammeln ließ, damit das Trockene hervortrat, und Gott dann das Trockene "Erde" nannte.
1Mo 1,10 (Luther 84)
Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war.
Himmel wird in V. 8 erwähnt, wo Gott die Feste, die er zum Zwecke des Scheidens/Trennens der Wasser machte (vgl. V. 6-7) dann "Himmel" nannte.
1Mo 1,6-8 (Luther 84)
6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.
7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.
8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.
Der Bericht in 1Mo 1 erwähnt also in V. 8 und in V.10 jeweils, was Gott "Himmel" und "Erde" nannte. Wenn nun die in V.2ff erwähnten Ereignisse die Details dessen wiedergeben, was in V. 1 zusammenfassend als kurze Einleitung erwähnt ist, würden die Begriffe "Himmel" und "Erde" in V. 1 nicht die gleiche Bedeutung haben, die uns dann in der Folge mitgeteilt wird?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon AlTheKingBundy » 30. April 2017, 11:41

Ich sehe auch keine wissenschaftlich exakte Beschreibung in der Genesis. Es dreht sich aber meiner Meinung nach auch um die "substanzielle" Schöpfung als Kontrapunkt zur späteren "himmlischen" Schöpfung in Joh 1,1. Auch sehe ich in Mose nicht die rein substanzielle Schöpfung der aller ersten Menschen an sich. Das Einhauchen des Geistes aus dem eine lebendige Seele wird verstehe ich als Schöpfungsakt des Menschen mit einem Gottesbewußtsein, sich also des wahren Gottes bewusst zu sein. Interessant ist auch diese Stelle:

1. Mose 2,8: Und Gott, der HERR, pflanzte einen Garten in Eden im Osten, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte.


Also erst bildet Gott den Menschen, dann pflanzt er den garten Eden und danach setzt er den Menschen hinein. Ganz offensichtlich existierte der Mensch schon vor dem Garten Eden ;)

Der Begriff "Himmel und Erde" im Sinne einer Neuschöpfung steht in der Bibel oft für einen Neuanfang, eine grundlegende Systemänderung nicht für buchstäblich eine neue Erde und einen neuen Himmel, z.B.:

Heb 12,26: Dessen Stimme erschütterte damals die Erde; jetzt aber hat er verheißen und gesagt: "Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel."


Die Erde wurde nicht buchstäblich bewegt. Es sind vielmehr Redefiguren.
AlTheKingBundy
 
Beiträge: 319
Registriert: 13. November 2014, 21:38

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 30. April 2017, 14:24

Hallo,
AlTheKingBundy hat geschrieben:Ich sehe auch keine wissenschaftlich exakte Beschreibung in der Genesis. Es dreht sich aber meiner Meinung nach auch um die "substanzielle" Schöpfung als Kontrapunkt zur späteren "himmlischen" Schöpfung in Joh 1,1.
Auf welche Angaben im biblischen Text gründet sich diese Sicht einer "substanziellen" als Kontrapunkt zu einer "himmlischen" Schöpfung? Was im biblischen Text weist darauf hin bzw. erwähnt derartiges direkt?
AlTheKingBundy hat geschrieben: Auch sehe ich in Mose nicht die rein substanzielle Schöpfung der aller ersten Menschen an sich. Das Einhauchen des Geistes aus dem eine lebendige Seele wird verstehe ich als Schöpfungsakt des Menschen mit einem Gottesbewußtsein, sich also des wahren Gottes bewusst zu sein. ....

Auch hier ergibt sich für mich die Frage nach der textlichen Begründung ... wo gibt der biblische Text in 1Mo eine Info im Hinblick darauf, ob die erwähnten Menschen die erste Menschen an sich waren oder nicht? Lehrt der Text, dass aus dem eingehauchten Geist eine lebendige Seele wird? was im Text über das Einhauchen des Atems/Geistes stellt den Bezug her zu "Mensch mit einem Gottesbewusstsein, dass sich der Mensch damit des wahren Gottes bewusst ist?

Deine Hinweise scheinen davon auszugehen, dass also bereits Menschen ohne Geist bzw. nicht als lebendige Seele und ohne Bewusstsein des wahren Gottes lebten ... gibt es im biblischen Text Hinweise darauf? wenn ja, wo?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon AlTheKingBundy » 30. April 2017, 14:56

BC Editor hat geschrieben:Auf welche Angaben im biblischen Text gründet sich diese Sicht einer "substanziellen" als Kontrapunkt zu einer "himmlischen" Schöpfung? Was im biblischen Text weist darauf hin bzw. erwähnt derartiges direkt?


Hallo,

na z.B. für das "substanzielle":

1Mo 2,7 da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.


und das "himmlische/geistige":

1Kor 15,44 es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen geistlichen.


BC Editor hat geschrieben:
Auch hier ergibt sich für mich die Frage nach der textlichen Begründung ... wo gibt der biblische Text in 1Mo eine Info im Hinblick darauf, ob die erwähnten Menschen die erste Menschen an sich waren oder nicht?


Na eher nicht die ersten Menschen (das hatte ich via Vers erwähnt).

BC Editor hat geschrieben:
Lehrt der Text, dass aus dem eingehauchten Geist eine lebendige Seele wird?


Ja, das lehrt der Text, allerdings müsste man sich der interessanten Diskussion stellen, was das Einhauchen des Geistes genau bedeutet und die daraus resultierende lebendige Seele.

BC Editor hat geschrieben:
Deine Hinweise scheinen davon auszugehen, dass also bereits Menschen ohne Geist bzw. nicht als lebendige Seele und ohne Bewusstsein des wahren Gottes lebten ... gibt es im biblischen Text Hinweise darauf? wenn ja, wo?


Lieber letzteres: ohne Bewußtsein des wahren Gottes. Einen direkten Beweis sehe ich allerdings nicht in der Bibel. Sicher, man kann den gesamten Schöpfungsakt auch vergeistlichen, allerdings sind mir im AT viele Erwähnungen und Geschichten zu "real" (sicher auch aus damailgen Sprachverständnis heraus), als dass sie alleine geistig ausgelegt werden könnten.

Nun bist aber auch Du am Zuge: verrate mir Deine Interpretation.
AlTheKingBundy
 
Beiträge: 319
Registriert: 13. November 2014, 21:38

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon Helmuth » 30. April 2017, 15:06

Hallo BC-Editor.

Soweit ich vermute findet sich "Himmel" im Hebräischen üblicherweise als Pluralwort Shamajim in den Texten. D.h. es besteht schon einmal eine Übersetzungsschwierigkeit. Ich glaube dass es hier gar nicht um mehrere Himmel geht. Es ist ein Sprachenproblem.

Es gibt den Himmel aller Himmel:

1Kö 8, 27 hat geschrieben:Aber wohnt Gott wirklich auf der Erde? Siehe, die Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dieses Haus tun, das ich gebaut habe!

Im Hebräischen: http://biblehub.com/interlinear/1_kings/8-27.htm
wird nur in dieser einzigen literarischen Form das zweite Wort Himmel ausnahmsweise im Singular gebraucht. Ich denke man kann davon ausgehen, dass 1 Mose 1.1 Gott schuf "den Himmel" und die Erde meint. Ähnliches Phänomen wie "Elohim", das auch ein Plural ist und es nur EINEN Gott gibt. Ja, die Sprache. :mrgreen:

Meine Deutung: Gott wohnt weder auf der Erde noch im Himmel. Vielmehr IST der Himmel sein Thron und die Erde sein Fußschemel. Er benützt sie. Deshalb gehe ich davon aus, dass mit den Texten gleichzeitig auch viel Geistliches ausgedrückt wird.
Liebe Grüße
Helmuth
Helmuth
 
Beiträge: 377
Registriert: 11. März 2017, 07:26

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon carboni » 30. April 2017, 16:11

Offensichtlich sah Jesus die Genesis als historische Begebenheit. Dies Argument ist hinreichend bekannt und sollte bei der Betrachtung einbezogen werden.

@Helmuth

Aus meinen Unterlagen zum biblischen Hebräisch:

Für das Wort 'schaamajim' (Himmel) ist im Hebräischen kein Singular gebräuchlich. Diese Pluralform ist natürlich kein 'eigentlicher Dual', sondern nur dem Dual angeglichen, wie auch bei Jeruschalajim.


Wesentlich für die Übersetzung ist hier das e(e)t את, ein sog. Akkusativ-Partikel. Diese Partikel kann nicht direkt ins Deutsche übersetzt werden, aber zusammen mit dem Artikel kann sie beispielsweise mit 'den,die' wiedergegeben werden, was auch in Genesis 1,1 geschieht: Gott schuf den Himmel und die Erde:bereschit bara elohim et hashamayim ve et haaretz

In schaamajim (shmayyim) finden wir majim, welches Wasser bedeutet, schaamajim kann und wird daher auch als 'Himmlische Gewässer' oder 'Himmlische Wasser' übersetzt, womit die Himmlische Welt gemeint ist.
carboni
 
Beiträge: 43
Registriert: 27. Mai 2015, 07:54

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 30. April 2017, 17:03

AlTheKingBundy hat geschrieben: na z.B. für das "substanzielle":
1Mo 2,7 da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.
und das "himmlische/geistige":
1Kor 15,44 es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen geistlichen.
Du schließt also von der Erwähnung von "Staub vom Erdboden" in 1Mo 2,7, dass der Bericht in 1Mo 1,1ff von der Schöpfung von substanziellen Dingen berichtet? Ich würde eher zurückhaltend mit einer solchen Folgerung sein, stattdessen zunächst eher Hinweise im unmittelbaren Kontext vorziehen ... und ich denke, dass etwa die Berichte über das Wasser und das trockene Land, über Pflanzen, Tiere usw. darauf deuten, dass der Bericht nicht von einer "geistigen / geistlichen Welt" handelt.

Mir ist auch nicht klar, wie die Gegenüberstellung von 1Ko 15,44 "natürlicher Leib / geistlicher Leib" zu einem korrekten Verständnis der Abschnitte in 1Mo dienen soll.
AlTheKingBundy hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Auch hier ergibt sich für mich die Frage nach der textlichen Begründung ... wo gibt der biblische Text in 1Mo eine Info im Hinblick darauf, ob die erwähnten Menschen die ersten Menschen an sich waren oder nicht?

Na eher nicht die ersten Menschen (das hatte ich via Vers erwähnt).
Also nicht die ersten Menschen, und mit welchem Vers hattest Du das erwähnt?
AlTheKingBundy hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Lehrt der Text, dass aus dem eingehauchten Geist eine lebendige Seele wird?

Ja, das lehrt der Text, allerdings müsste man sich der interessanten Diskussion stellen, was das Einhauchen des Geistes genau bedeutet und die daraus resultierende lebendige Seele.
Also in dem entsprechenden Vers lesen wir folgendes:
1Mo 2,7 (Luther 1984)
Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
Die Aussage nimmt Bezug auf auf zwei Dinge: (1) den Leib/Körper des Menschen (das, was aus Erde vom Acker gemacht wurde) und (2) den Odem {Geist} des Lebens (das,was diesem leblosen Leib/Körper eingeblasen wurde), und sie stellt dann fest, dass durch das einblasen des "Odem {Geist} des Lebens" der Mensch (zuvor als "aus der Erde vom Acker gemacht" bezeichnet) -- und nicht dieser Atem {Geist} des Lebens -- zu einer lebendigen Seele wurde. Aus einem leblosen Menschen wurde ein lebendiger Mensch, der als lebendige Seele bezeichnet wird.
AlTheKingBundy hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Deine Hinweise scheinen davon auszugehen, dass also bereits Menschen ohne Geist bzw. nicht als lebendige Seele und ohne Bewusstsein des wahren Gottes lebten ... gibt es im biblischen Text Hinweise darauf? wenn ja, wo?
Lieber letzteres: ohne Bewußtsein des wahren Gottes. Einen direkten Beweis sehe ich allerdings nicht in der Bibel.
Ich gebe zu, ich kenne keine Aussage der Schrift, die auf bereits vor den in 1Mo 1 - 3 erwähnten Menschen gelebt haben. Wie sich aus meinen gerade zum Text in 1Mo 2,7 gemachten Ausführungen ergibt, sehe ich in dem Vers auch keinen Hinweis darauf, dass es hier darum geht, dass hier nun Menschen "mit einem Bewusstsein des wahren Gottes" geschaffen wurden (dabei den Eindruck erweckend, als hätten zuvor bereits Menschen ohne "den Odem {Geist} des Lebens" und das durch diesen gegebene Bewusstsein gelebt).
AlTheKingBundy hat geschrieben:Sicher, man kann den gesamten Schöpfungsakt auch vergeistlichen, allerdings sind mir im AT viele Erwähnungen und Geschichten zu "real" (sicher auch aus damailgen Sprachverständnis heraus), als dass sie alleine geistig ausgelegt werden könnten.
Wie ich in meinem ursprünglichen Beitrag erwähnte, geht es mir darum, ein korrektes Verständnis auf der Grundlage des biblischen Textes zu erlangen ... es geht mir nicht darum, ob und wie Leser den Text aus welcher theologischen Sicht auch immer interpretieren oder vergeistlichen (was ist überhaupt mit einem "vergeistlichen" eines Textes gemeint?)
AlTheKingBundy hat geschrieben:Nun bist aber auch Du am Zuge: verrate mir Deine Interpretation.
Ich habe momentan keine Interpretation, sondern habe mich auf die Suche nach einem korrekten Verständnis dieser Abschnitte begeben und dabei den Versuch unternommen, andere an dieser Suche teilhaben zu lassen, indem ich die Thematik hier im Forum angesprochen habe.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Nächste

Zurück zu Auslegung allgemein

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron