1. Mose 1 - 3

Austausch zu allgemeinen Fragen zur Auslegung der Bibel

Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 4. Mai 2017, 06:36

Helmuth hat geschrieben:In Ordnung, du kannst es so sehen, dass du keine Bezüge herstellst, aber das ist auch unserem hellenistisch abstraktem Denken geschuldet. Hebräisch ist anders. Den natürlichen Dingen wie auch Namen sind geistliche Bedeutungen zugeordnet.

Was ist überhaupt eine "GEISTLICHE Bedeutung"? Haben im Hebräischen Deiner Meinung nach alle Wörter zwei Bedeutungen (sind also doppeldeutig)?

Ich denke nicht ... ich erwähnte einige Wörter wie "Brot, Weinstock, Tür", die in unterschiedlichen KONTEXTEN unterschiedlich benutzt werden können und dann je nach Nutzung entweder ihre buchstäblich wörtliche Bedeutung haben, oder aber in einem übertragenen Sinne in Folge der Nutzung in einer Redefigur eine betonte Bedeutung haben.

Helmuth hat geschrieben:Wir verwenden abstrakte Bezeichnungen und oft fehlen diese Verknüpfungen. Eine Ausnahme bildet das Wort Herz. Ein Mensch ohne Herz verstehen wir als lieblosen Menschen. Ansonsten würden wir nur einen Menschen mit einem fehlenden Organ meinen.

Das Wort "Herz" hat die von Dir erwähnte Bedeutung nur in dem erwähnten Kontext .... wenn ein Chirurg am Herzen operiert, dann sieht die Sache wohl etwas anders aus, nicht wahr? oder wenn in Röm 10,9-10 davon die Rede ist "im Herzen glaubst", dann liegt auch da etwas anders vor. Das hat aber nichts mit "geistlicher" Bedeutung zu tun, sondern ist eine sprachliche Angelegenheit, nämlich die Nutzung eines Begriffs als Teil einer Sprachfigur, Redefigur, Bildsprache, mittels der etwas besonders betont wird.

Helmuth hat geschrieben:Und weil es wir hier mit dem Wort Gottes zu tun haben und Gott Geist ist, sollten solche Bedeutungen im Kontext berücksichtigt und hinterfragt werden, ob Gott damit auch "Geistliches" verbunden sieht.

Es sollte bei jedem Text bzw. jedem Ausdruck beachtet werden, ob der Autor etwas im buchstäblichen Sinne meint oder in einem übertragenen Sinne meint ... dabei ist aber der jeweilige Kontext das, was zum korrekten Verständnis führt. Auch im Wort Gottes (den inspirierten Schriften der Bibel) werden die gleichen Begriffe in manchen Kontexten mit ihrer buchstäblich wörtlichen Bedeutung benutzt und in anderen Kontexten mittels einer Redefigur in einem übertragenen Sinne.

Die Frage hier zu 1Mo 1 ist also: Worauf weist der Kontext hier hin und wovon handelt er ... Licht und Finsternis in einem buchstäblichen Sinne, oder Licht und Finsternis in einem übertragenen Sinne? Was im Kontext bestimmt, welches Verständnis von Licht und Finsternis hier korrekt ist?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
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Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon carboni » 4. Mai 2017, 09:11

Hallo Helmuth,

die Zuordnung erfolgt ja eindeutig durch: "5 Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es ward Abend und es ward Morgen: erster Tag. "

Damit sind die Begriffe festgelegt. Leider kann man auch zuviel in die Begriffe hineininterpretieren. Ich weiß, dass das auch gemacht wurde, dann aber von Mystikern und Philosophen, die hinter allem eine tiefere Bedeutung sehen wollten. Das sich Begriffe wie 'Licht' und 'Finsternis' hervorragend als Sinnbilder 'für etwas anderes' eignen und dies ja auch gemacht wird, indem Eigenschaften dadurch figurativ beschrieben werden, darf nicht dazu verführen, dort, wo es eben nur physikalische Realität beschreiben will, einen tieferen Sinn darin zu sehen. Manchmal ist ein Baum nur ein Baum, Licht nur Licht und Finsternis die Abwesenheit buchstäblichen Lichtes.
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Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon Helmuth » 4. Mai 2017, 17:30

BC Editor hat geschrieben:Was ist überhaupt eine "GEISTLICHE Bedeutung"? Haben im Hebräischen Deiner Meinung nach alle Wörter zwei Bedeutungen (sind also doppeldeutig)?

Ja, ich denke mehr als und bewusst ist.

Sichtbares Licht sind physikalische Wellen. Treffen spezielle Wellen in nm-Bereich auf spezifische Rezeptoren am Sinnesorgan werden sie via Reizleitung zum Gehirnzentrum transportiert. So unsere allgemeinbildende Schulausbildung. Durch diesen Prozess entsteht in uns eine Wahrnehmung, die nicht mehr mit physikalisch physiologischen oder biochmischen Prozessen erklärbar ist. Unser Geist ist das eigentliche Organ, das sieht. Ist aber nicht so erforscht, weil ... eigentlich nicht möglich. :mrgreen:

Gott hat das Licht physisch erschaffen aber nur dem Geist nimmt es auch wahr. Ist dein Bewusstsein weg gibt es auch kein Sehvermögen. D.h. unbewusst können noch soviele Gehirströme hervorgerufen werden, du bist blind, wie im Schlaf oder Narkosezustand. Bzw. die "erkennst" nichts im geistlichen Sinne.

Ich denke es gibt viele Phänomene, die wir zwar als natürlich und normal betrachten, weil wir es aufgrund Erfahrung gewohnt sind, aber erst durch den Geist erhalten sie wahres Leben.

Es gibt diese Aussage Jesu:
Joh 6, 63 hat geschrieben:Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben.

Insoferne glaube ich dass selbst die elementarsten Ding allesamt geistlicher Art sind. Die rein biologisch physischen Dinge allein sind totes Gewebe. Oder höchstens seelische Materie. Der Begriff "seeleisch" hat in geistlichem Sprachgebrauch des NT eine negative Bedeutung. Jesus sagt an dieser Stelle:
Joh 3, 6 hat geschrieben:Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.

Wir sollten uns zwei Dinge angewöhnen. Erstens: Die Bibel wesentlich mehr "geistlich" zu lesen als rein intellektuell. Damit meine ich nun nicht unseren Verstand auszuschalten. Aber zwischen Himmel und Erde existieren Phänomene, die wir auf natürlichem Wege niemals erfahren werden, die also der Verstand für sich allein nicht versteht. Er benötigt "Offenbarung" durch den Geist Gottes.

Und zweitens das im Glauben annehmen. Genau das macht unseren Glauben aus, den Gott uns gibt. Glaubst du, dass deine Worte z.B. dieselbe Macht haben, wie Jesus sie hatte? Oder glaubst du das nicht? Eigentlich solten wir das vollinhaltlich glauben, ohne wenn und aber. Was uns davon anhält ist der seelische Verstand, der sagt: "Das kann nicht sein, das ist Nosnens!"

Wenn Jesus sagt, "Ich bin das Licht der Welt" redet er nicht davon, dass nur physische Schwingungen den Raum erhellen, sondern dass er es mit Leben füllt, und zwar mit ewigem Leben. Er hat als verherrlichter Erstgeborener die Vollmacht dazu erhalten. Und an dieser will er uns Anteil haben lassen. Ohne wenn und aber.
Liebe Grüße
Helmuth
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Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 4. Mai 2017, 17:41

Hallo,
einige weitere Betrachtungen / Fragen zu dem Abschnitt bzgl dem "zweiten Tag" in 1Mo 1
1Mo 1,6-8 (Luther 1984)
6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.
7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.
8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

1Mo 1,6-8 (Schlachter 2000)
6 Und Gott sprach: Es werde eine Ausdehnung inmitten der Wasser, die bilde eine Scheidung zwischen den Wassern!
7 Und Gott machte die Ausdehnung und schied das Wasser unter der Ausdehnung von dem Wasser über der Ausdehnung. Und es geschah so.
8 Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der zweite Tag.

In 1Mo 1,2 wird bereits festgestellt, dass Gottes Geist "auf/über dem Wasser" schwebte. Nun lesen wir davon, dass Gott die Wasser "trennt/scheidet" mittels "einer Feste/einer Ausdehnung", so dass Wasser sowohl unter wie auch auf der Feste/der Ausdehnung ist.

Im weiteren Verlauf des Berichts in 1Mo 1 geht es dann offensichtlich um den Bereich "unter der Feste", wo sich dann die Wasser dort sammeln und das Trockene zum Vorschein kommen soll, usw. Auch werden danach noch "Lichter" an eben dieser Feste angebracht (vgl. 1Mo 1,14-19).

Mir scheint es, dass sich aus diesen Aussagen ergibt, dass diese "Feste/Ausdehnung" die allgemein auch als "Firmament" oder "Himmel" bezeichnete Sache ist ... und diese Feste scheint ja im Text in der Tat in irgendeiner Form "fest" und somit begrenzt zu sein, also nicht ein "Luft" oder "Gas" Bereich, wie man gewöhnlich als sich "immer weiter ausbreitendes Weltall" überall so hört.

Was also hat es mit dieser "Feste" auf sich? Handelt es sich hier um eine buchstäblich zu verstehende "Feste"? Repräsentiert die vorhandene Beschreibung etwas in einem übertragenen Sinne in Gestalt einer Redefigur (welche Redefigur? was wird repräsentiert bzw was ist gemeint?) ? Ich gebe zu, ich habe zur Zeit keine mir schlüssige Antworten auf diese Fragen ... vielleicht weiß ja jemand anders mehr dazu und hat textlich begründete Informationen?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

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Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon carboni » 4. Mai 2017, 18:02

@Helmut,

eine ähnlich Aussage finden wir in Matthäus 5,14

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
15 Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.4
16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.


Hier sind die Jünger das Licht der Welt und das Salz der Erde. Das sind Veranschaulichungen die Jesus benutzt. Mit 'Licht' und 'Salz' verbinden die Menschen bestimmte Vorstellungen. Damit wird das Gesagte eingängiger und einprägsamer.
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Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon BC Editor » 4. Mai 2017, 18:59

carboni hat geschrieben: Hier sind die Jünger das Licht der Welt und das Salz der Erde. Das sind Veranschaulichungen die Jesus benutzt. Mit 'Licht' und 'Salz' verbinden die Menschen bestimmte Vorstellungen. Damit wird das Gesagte eingängiger und einprägsamer.

Dabei ist hier auch zu beachten, dass es nicht um die physikalischen oder chemischen Prozesse, etc geht, wie der menschliche Sinn/Verstand dann letztlich "Licht" oder "Salz" wahrnimmt.
Hier nutzt Jesus in seinen Aussagen eine Redefigur, um damit Betonung auf das zu legen, was durch dieses Sprachbild vermittelt wird. Auch geht es nicht um ein bestimmtes Verständnis, dass nur der haben kann, der etwa heiligen Geist als Gottes Gabe erhalten hat, sondern ein jeder, der diese Ausdrucksweise, diese Redefigur kennt, kann korrekt mit seinem Sinn, seinem Verstand verstehen, was Jesus da gesagt hat.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

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Re: 1. Mose 1 - 3

Beitragvon Helmuth » 4. Mai 2017, 20:00

BC Editor hat geschrieben:Was also hat es mit dieser "Feste" auf sich?

Haha, ja gute Frage. Die Elb-Studienbibel gibt für den hebr. Ausdruck "raqia" die Bedeutungen: Weite, Wölbung, Ausdehnung, als eine nach allen Seiten ausgebreitete Schicht. Mit der Materialeigenschaft "fest" dürfte es nichts zu tun haben, wiewohl Himmelsfeste als Begriff bekannt ist. Ich denke es geht um die geophysische Beschaffenheit.

Weiteres erinnere ich an den Konfikt zwischen geozentrischem und heliozentrischem Weltbild. Aus der Sicht des Menschen ergibt sich die Erde als Zentrum. Für jeden einzelnen stimmt das subjektiv auch. Begeben wir uns in das Weltall, betrachten wir die Erde aber anders. Haben wir dadurch aber echte "Erkenntnis" gewonnen?

Ich würde hier anstelle der geo- bzw. heliozentrischen Sichtweise einmal versuchen eine theozentrische in Betracht ziehen. Kehren wir einmal die Sichtweise um und stellen wir uns den gesamten äußeren Raum über dem Firmament als den eigentlichen Himmel für den Aufenthaltsort Gottes vor, dann ergibt sich, dass er unsere Erde und alle Menschen darauf von allen Seiten gleichzeitigg im Blick hat. Da seine Augen quasi überall sind, so stimmt aus dieser Perspektive das geozentrische Bild für ihn wieder.

So sehe ich in diesem Firmament die Abgrenzung zwischen Gott und Mensch. Die uns gegebenen Sinne ermöglichen nur den Blick bis zu diesem Gewölbe, für Gott gibt diese Grenze ja nicht.
Liebe Grüße
Helmuth
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1. Mose 1 - 3 - Neue Runde: für Kinderbibel-Modelle

Beitragvon Leonardo » 27. Januar 2018, 14:37

Salaam! Schalom! Friede! Hallo!

Ich habe diesen Thread zu Genesis, 1. Mose, Kapitel 1-3 gelesen und möchte an dieser Stelle das Thema der Schöpfungsgeschichte wieder aufnehmen.

Grund: Ich bearbeite den Text Gen. 1,1-28 und Gen. 3,1-24 für ein Kinderbibelprojekt, bei dem Miniatur-Modelle aus Kunststoffspielbausteinen gebaut und dann photographiert werden, um die neu formulierten Texte (der Urheberrechte wegen) und die Motive in einem Buch zusammen zu bringen.

Schon der Einstieg mit Gen. 1,1 - Gen. 1,2 war schwer zu verstehen und übersetzbar. Darum habe ich es anfangs als bibelgegebene „Überschrift“ verstanden und ignoriert.

Auch die Test-Leser/innen wussten anfangs - ohne den Bezug zu Gen. 1,1-2 - nicht, was ich von ihnen wollte bzw. worauf das Thema hinaus lief.

Im Nachhinein wurde mir klar, dass die Einleitung mit Gen. 1,1 „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (Luther 1912) direkt auf die Thematik des Sechstagewerkes hinweist, also im Grunde wie eine Überschrift / Zusammenfassung / Schlagzeile WICHTIG ist. Das hat der Autor, der diesen Bibel-Text von Gen. 1 zusammengestellt hat, gut gemacht.

Meine Text-Lösung für den Abschnitt Gen. 1,1-5 habe ich wie folgt (vorläufig) zusammengefasst: „Mit dem Wort schuf Gott die Himmel und die Erde. Nach seinem Willen erstrahlte das Licht. Gott trennte das Licht von der Finsternis. Aus Finsternis und Licht wurde der erste Tag.“ Hierbei war mir auch der Bezug und der Brückenschlag mit der Anleihe aus Joh. 1,1-5 (Schwerpunkt Joh. 1,1) wichtig.

Mein gedankliches Ziel meines Textabschnittes, für meine Kernzielgruppe von Mädchen und Jungen ab 8 Jahre, war der vielleicht beruhigende, friedliebende Gedanke an nächtlicher Dunkelheit und taggegebener Helligkeit (Licht) und dem göttlichen Licht, dass auch über den „lichten Tag“ hinaus Licht (Helligkeit) spendet.

Was hältst du, und was halten die anderen Leser/innen, dieses Beitrages von dieser Assoziation und der neuen, textlichen Formulierung für die Kernzielgruppe und die Idee, diese Texte mit Modellen aus Kunststoffspielbausteinen zu verbinden?

Gott segne es.
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Gott segne es
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