Präteristische Auslegung von Daniel

Austausch zu Fragen bzgl. AT Schriftstellen

Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon AlTheKingBundy » 1. Mai 2017, 17:45

Hallo,

an die Präteristen die Frage, wie Ihr Teile der Danielprophezeiungen einordnet bzw. auslegt, insbesondere:

1) Die Tagesangaben in:

Daniel 12,11-11: Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel einzusetzen, sind es 1 290 Tage. 12 Glücklich, wer ausharrt und 1 335 Tage erreicht!


2) Die Könige des Südens/Nordens in Daniel 11

3) Die 10 Hörner und das kleine Horn in:

Daniel 7,24: Und die zehn Hörner bedeuten: Aus diesem Königreich werden sich zehn Könige erheben. Und ein anderer wird sich nach ihnen erheben, und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen.


4) Die Füße und Zehen in:

Daniel 2,41-43: Und dass du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gesehen hast: Das wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird etwas in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast.
42 Und die Zehen der Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton: Zum Teil wird das Königreich stark sein, und zum Teil wird es zerbrechlich sein.
43 Dass du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast: Sie werden sich durch Heiraten untereinander vermischen, aber sie werden nicht aneinander haften, so wie sich Eisen mit Ton nicht mischen lässt.


Bin gespannt, ich halte mich mit meiner Deutung erst einmal zurück.
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon JoaBiggiBiggiSwift » 5. Mai 2017, 08:49

AlTheKingBundy hat geschrieben:Hallo,

an die Präteristen die Frage, wie Ihr Teile der Danielprophezeiungen einordnet bzw. auslegt, insbesondere:

1) Die Tagesangaben in:

Daniel 12,11-11: Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel einzusetzen, sind es 1 290 Tage. 12 Glücklich, wer ausharrt und 1 335 Tage erreicht!


Ich bin zwar kein Präterist aber ich lege es so aus:
Ich denke, dass von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel einzusetzen es 1290 Tage sind. Derjenige wird wohl glücklich sein der diese Tage übersteht und 1 335 Tage erreicht.


3) Die 10 Hörner und das kleine Horn in:

Daniel 7,24: Und die zehn Hörner bedeuten: Aus diesem Königreich werden sich zehn Könige erheben. Und ein anderer wird sich nach ihnen erheben, und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen.


Auch hier kommt meine Auslegung dem gleich was geschrieben steht. Selbiges gillt für Punkt 4

Mit freundlichen Grüßen
JoaBiggiBiggiSwift
 
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon AlTheKingBundy » 5. Mai 2017, 10:58

Sehr produktiver Beitrag :lol:
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon JoaBiggiBiggiSwift » 5. Mai 2017, 11:19

Danke, danke. Ich fühle mich geehrt.
JoaBiggiBiggiSwift
 
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon Helmuth » 5. Mai 2017, 13:44

LOL :D
Liebe Grüße
Helmuth
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon BC Editor » 5. Mai 2017, 20:18

Hallo,
ein paar Gedanken zu einigen Deiner Fragen ...
AlTheKingBundy hat geschrieben: 2) Die Könige des Südens/Nordens in Daniel 11

Ich denke der Schlüssel zu einer korrekten Einordnung ist in den ersten Versen in Dan 11 gegeben, denn der Kontext dort handelt von Ereignissen, die in der Folge nach dem Tod Alexanders das griechische Reich betreffen ... u.a. die Aufteilung des Reiches unter 4 Generäle. Der König (Herrscher) des Südens war Ptolemäus, dem Ägypten zufiel (südlich von Israel gelegen), Könige des Nordens dementsprechend die als "Könige" herrschenden Generäle in den Teilen nördlich von Israel. Die Verse handeln auch nicht nur von den vier Nachfolgern Alexanders selbst, sondern erstreckt sich auch auf deren Nachfahren in späteren Generationen, u.a. wird der Zusammenschluß erwähnt mittels der Heirat von Ptolemäus Tochter Bernice mit Antiochus Theos von Syrien und damit verbundene Ereignisse.
AlTheKingBundy hat geschrieben:3) Die 10 Hörner und das kleine Horn in:
Daniel 7,24: Und die zehn Hörner bedeuten: Aus diesem Königreich werden sich zehn Könige erheben. Und ein anderer wird sich nach ihnen erheben, und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen.

Mir scheint, die Hörner haben Bezug zu römischen Alleinherrschern, Eine Liste der ersten 11 ist wie folgt:
1. Pompeji (52-49 v.Chr.) erster alleiniger Herrscher über Rom
2. Julius (47-44 v.Chr)
3. Augustus (Octavian) (31 v-Chr. to 14 n.Chr.)
4. Tiberius (14-37 n.Chr.)
5. Caligula (Gaius) (37-41 n.Chr.)
6. Claudius (41-54 n.Chr.)
7. Nero (54-68 n.Chr.)
8. Galba (68-69 n.Chr.)
9. Otho (69 n.Chr.)
10. Vitellius (69 n.Chr.)
11. Vespasian (69-79 n.Chr.)

Unter Vespasian kamen die letzten Tage des AT Israel zu ihrem Ende, als dieser Jerusalem einnahm, der Tempel zerstört wurde, usw.)

Ich denke, es ist wichtig, die anderen Weissagungen in Daniel, u.a. betreffs eines zeitlichen Rahmens von 490 Jahren (70 "Jahr"-Wochen), zu beachten, um nicht dem Fehler zu verfallen, den Rahmen ungerechtfertigt zu sprengen, nur weil man einen Teil des Bildes innerhalb des Rahmens nicht versteht.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon AlTheKingBundy » 6. Mai 2017, 05:04

Hallo Wolfgang,

danke für Deine Ausführungen. Ich verstehe die Dinge ähnlich. Der Fokus ist das Königreich Gottes. Das in Daniel 2 oder 7 beschriebene römische Reich wird nur bis zur Aufrichtung des Königreich Gottes beschrieben. Es existiert danach zwar noch weiter, ist aber für den heilsgeschichtlichen Kontext nicht mehr von Bedeutung. Der Zeitsprung von 2000 Jahren, den viele Futuristen machen, ist durch nichts zu rechtfertigen. Insbesondere würde es

Offb 22,10: Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches! Denn die Zeit ist nahe.


ad absurdum führen. Nichtversiegelung = verstehen, d.h. die Menschen zur Niederschrift der Offenbarung sollten diese auch verstanden haben können. Wie kann das sein, wenn dort von Dingen in der heutigen Zeit die Rede ist? Die Verwirrung in der futuristischen Auslegung der heutigen Zeit zeigt doch, dass die Inhalte eher für die jetzt lebenden Menschen versiegelt sind. Und wie absurd ist es aus "die Zeit ist nahe" 2000 Jahre zu machen.

Offb 22,10 macht im Kontext mit

Dan 12,9: Und er sagte: Geh hin, Daniel! Denn die Worte sollen geheim gehalten7 und versiegelt sein bis zur Zeit des Endes.


absolut Sinn, denn Daniel konnte die Dinge, die in knapp 500 Jahren passieren sollten, nicht verstehen.
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon Helmuth » 6. Mai 2017, 08:30

Wie ordnet man dann diese Worte Jesu ein:
Mt 24, 29 hat geschrieben:Bald aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden.
Danach erfolgt die Sammlung durch die Engel

Diese Beschreibung Jesu ist ident mit der Weissagung aus Daniel 12:
Dan 12, 1 hat geschrieben:Zu jener Zeit wird sich der große Fürst Michael erheben, der für die Kinder deines Volkes einsteht; denn es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie es noch keine gab, seitdem es Völker gibt, bis zu dieser Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk gerettet werden, jeder, der sich in dem Buch eingeschrieben findet.

Danach erfolgt der Zuspruch zur Auferstehung. Diese Weissagungen enden demnach nicht mit der Römerzeit. Damals ist niemand auferstanden (außer zuvor Jesus), auch wurden keine Kräfte des Himmels erschüttert.

Und Fakt ist, dass der Holocaust des 2. Weltkrieges eine noch deutlich schlimmere Drangsal war, als die zur Zeit der Römer. Diese töteten sie mit dem Schwert bzw. versklavten sie. Die Römer waren Imperialisten aber keine solchen Tiere wie die Nazis. Diese erfanden wesentlich schlimmere Sachen. So sollte sich allerdings auch 5 Mose 28 (ja leider) erfüllen.

Das eiserne Tier oder die Beine aus Eisen aus den Visionen an Daniel haben auch keine spezifisch völkisch nationale Zuordnung. Es ist einfach nur ein gräßliches Vieh, dass alles zertrampelt und zertritt. So die Worte bei Daniel, es erschreckte den Propheten auch mehr als die anderen Tiere.

Es geht für mich hier mehr konfom zu dem Tier aus Offb. 13. Auch dieses hat keine nationale Zuordnung. Das alles ist dann Herumdeuterei, wenn man es den Römern, der RKK, Politikern, etc. etc. zuordnen will, wie auch die Hörner. Das Ergebnis ist falsche Prophetie, und genau davor warnt uns Jesus, das viele solche falsche auftreten werden.

Was tun: Erschreckt nicht, glaubt ihnen nicht, lauft ihnen nicht nach, bleibt standhaft in der Liebe, harret aus bis ans Ende.
Liebe Grüße
Helmuth
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon AlTheKingBundy » 6. Mai 2017, 09:34

Helmuth hat geschrieben:
Mt 24, 29 hat geschrieben:Bald aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden.
Danach erfolgt die Sammlung durch die Engel

Diese Beschreibung Jesu ist ident mit der Weissagung aus Daniel 12:
Dan 12, 1 hat geschrieben:Zu jener Zeit wird sich der große Fürst Michael erheben, der für die Kinder deines Volkes einsteht; denn es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie es noch keine gab, seitdem es Völker gibt, bis zu dieser Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk gerettet werden, jeder, der sich in dem Buch eingeschrieben findet.

Danach erfolgt der Zuspruch zur Auferstehung. Diese Weissagungen enden demnach nicht mit der Römerzeit. Damals ist niemand auferstanden (außer zuvor Jesus), auch wurden keine Kräfte des Himmels erschüttert.


Hallo Helmuth,

woran stößt Du Dich? An der buchstäblichen Erfüllung von "Sonne verfinster sich, Sterne fallen vom Himmel"? Meinst Du nicht, dass es sich hier um eine Redefigur handelt, die eine große systematische Veränderung andeutet? In Jeaja 13 sind ähnliche Redewendungen zu finden und hier geht es um das Gericht über Babel (welches wie wir wissen längst stattgefunden hat):

Jes 13,10: Denn die Sterne des Himmels und seine Sternbilder werden ihr Licht nicht leuchten lassen. Die Sonne wird finster sein bei ihrem Aufgang, und der Mond wird sein Licht nicht scheinen lassen.

Jes 13,13: Darum werde ich den Himmel erzittern lassen, und die Erde wird aufbeben von ihrer Stelle beim Grimm des HERRN der Heerscharen und am Tage seiner Zornglut.


Helmuth hat geschrieben:Und Fakt ist, dass der Holocaust des 2. Weltkrieges eine noch deutlich schlimmere Drangsal war, als die zur Zeit der Römer. Diese töteten sie mit dem Schwert bzw. versklavten sie. Die Römer waren Imperialisten aber keine solchen Tiere wie die Nazis. Diese erfanden wesentlich schlimmere Sachen. So sollte sich allerdings auch 5 Mose 28 (ja leider) erfüllen.


Den Fehler darf man nicht machen, dass man biblische Geschehnisse aus unserer globalen Sicht heraus beurteilt. In Mat 24, Luk 21 und Mrk 13 ging es alleine um das Schicksal Jerusalems und des Tempels.

Helmuth hat geschrieben:Das eiserne Tier oder die Beine aus Eisen aus den Visionen an Daniel haben auch keine spezifisch völkisch nationale Zuordnung. Es ist einfach nur ein gräßliches Vieh, dass alles zertrampelt und zertritt. So die Worte bei Daniel, es erschreckte den Propheten auch mehr als die anderen Tiere.


Damit widersprichst Du einem grundlegenden Auslegungsprinzip Daniels, wo alle Tiere mit konkreten (irdischen) Königreichen in Verbindung gebracht wird.
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Re: Präteristische Auslegung von Daniel

Beitragvon BC Editor » 6. Mai 2017, 20:43

Hallo
AlTheKingBundy hat geschrieben: danke für Deine Ausführungen. Ich verstehe die Dinge ähnlich. Der Fokus ist das Königreich Gottes. Das in Daniel 2 oder 7 beschriebene römische Reich wird nur bis zur Aufrichtung des Königreich Gottes beschrieben. Es existiert danach zwar noch weiter, ist aber für den heilsgeschichtlichen Kontext nicht mehr von Bedeutung.

Genau ... die in Daniel erwähnten Reiche haben alle einen Bezug zu Israel und der Geschichte des irdischen Israel. Dieses fand mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels sein endgültiges Ende und somit wird auch die weitere Geschichte des Römischen Reiches nicht mehr in den biblischen Schriften erwähnt.
AlTheKingBundy hat geschrieben: Der Zeitsprung von 2000 Jahren, den viele Futuristen machen, ist durch nichts zu rechtfertigen. Insbesondere würde es
Offb 22,10: Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches! Denn die Zeit ist nahe.
ad absurdum führen. Nichtversiegelung = verstehen, d.h. die Menschen zur Niederschrift der Offenbarung sollten diese auch verstanden haben können.
Sehr richtig .... zudem weisen sowohl der Anfang in Offb 1 wie auch das Ende in Offb 22 darauf hin, dass die in dem Buch offenbarten Ereignisse unmittelbar bevorstanden und "in Kürze zustande kommen müssen".
AlTheKingBundy hat geschrieben: Und wie absurd ist es aus "die Zeit ist nahe" 2000 Jahre zu machen.
Offb 22,10 macht im Kontext mit
Dan 12,9: Und er sagte: Geh hin, Daniel! Denn die Worte sollen geheim gehalten und versiegelt sein bis zur Zeit des Endes.
absolut Sinn, denn Daniel konnte die Dinge, die in knapp 500 Jahren passieren sollten, nicht verstehen.

Ich finde auch interessant, dass die Dinge in Daniel, die nur einige Jahrhunderte in der Zukunft lagen, versiegelt sein würden, weil die Zeit für deren Erfüllung ja nicht nahe war ... in Offenbarung aber die Dinge, die laut Futuristen angeblich in einer bereits ca 2000 Jahre fernen Zukunft liegen, nicht versiegelt würden.

Die Interpretationen, welche die Erfüllung dieser biblischen Weissagungen noch immer in unsere Zukunft legen, missachten die klarsten Zeitangaben in Daniel wie in Offenbarung.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
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