1.Mose 1,1

Austausch zu Fragen bzgl. AT Schriftstellen

1.Mose 1,1

Beitragvon Markus » 26. März 2012, 11:38

Wie sollte der 1 Vers der Bibel verstanden werden? Ist die Aussage: "Im Anfang erschuf GOTT Himmel und Erde" eine Überschrift(1), oder handelt es sich um den Beginn der materiellen Schöpfung?(2) Was meint der Begriff des Himmels?

Schliesst dieser eigentlich die Galaxien und Sterne mit ein? Oder ist unter dem Begriff Himmel einfach der Weltenraum zu verstehen, unabhängig von Körpern?
Oder ist mit der Bezeichnung Himmel die Welt der Ideen und die unsichtbare himmlische Welt mit Engeln angesprochen, so dass die Erde einfach die Grundelemente des materiellen Universums bezeichnen würden.?

Ist die Formulierung im Anfang ein absoluter Anfang, oder gab es auch noch mehr Anfänge?

LG Markus
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon BC Editor » 28. März 2012, 05:50

Lieber Markus,
Markus hat geschrieben:Wie sollte der 1 Vers der Bibel verstanden werden? Ist die Aussage: "Im Anfang erschuf GOTT Himmel und Erde" eine Überschrift(1),

ich denke, dass der 1. Vers eher nicht als eine "Überschrift" verstanden werden sollte ... Im Hebräischen werden die 5 Bücher der Torah jeweils nach den ersten hebräischen Worten des jeweiligen Buchs bezeichnet ("Im Anfang", "Namen", "Es ruft", "In der Wüste", "Worte"), was aber nicht bedeutet, dass der erste Vers oder das erste Wort die Überschrift seien. (Übrigens, in der griechischen Septuaginta werden die Bücher nach ihren zentralen Themen benannt, im Deutschen werden sie nach dem traditionellen Verfasser als 1. bis 5. Mose nummeriert und bezeichnet).
Markus hat geschrieben:oder handelt es sich um den Beginn der materiellen Schöpfung?(2)

Wenn man die weiteren Ausführungen betrachtet, so wird dort in komprimierter Form Ursprung und Entstehung der noch heute existierenden Welt beschrieben ... was man durchaus als Beginn der materiellen Schöpfung verstehen könnte.
Markus hat geschrieben:Was meint der Begriff des Himmels?
Schliesst dieser eigentlich die Galaxien und Sterne mit ein? Oder ist unter dem Begriff Himmel einfach der Weltenraum zu verstehen, unabhängig von Körpern?
Oder ist mit der Bezeichnung Himmel die Welt der Ideen und die unsichtbare himmlische Welt mit Engeln angesprochen, so dass die Erde einfach die Grundelemente des materiellen Universums bezeichnen würden?

Aus dem unmittelbaren Zusammenhang geht für mich hervor, dass in dem hier doch wörtlich benutzten Begriff "Himmel und Erde" mit Himmel der Raum bezeichnet wird, der quasi "über der Erde" ist, in welchem Raum Gott dann "Lichter" scheinen läßt, mit denen sich für die Erde ein hell-dunkel (Tag-Nacht) Rhythmus usw ergibt sowie Zeiten usw. bestimmt werden. Außerdem wurden Lichter am Firmament plaziert, mit deren Hilfe (als eine Art Gedächtnisstütze) dem Menschen "Zeichen" gegeben wurden, mittels derer dem Menschen bereits die frohe Botschaft eines kommenden Erlösers kundgetan wurde (vgl. Psa 19,1ff)
Markus hat geschrieben:Ist die Formulierung im Anfang ein absoluter Anfang, oder gab es auch noch mehr Anfänge?

Im normalen Sprachgebrauch gibt es selbstverständlich viele "Anfänge" ... "Anfang der Ferien, Anfang der Schulzeit, Anfang der Ausbildung, Anfang einer Reise, usw."
Ich würde sagen, dass auch in den biblischen Schriften sich das Wort "Anfang" nicht immer auf den in 1Mo 1 erwähnten "Anfang" bezieht ... vgl. etwa Mt 1,1 ... "Dies ist das Buch vom Anfang ("der Abstammung") Jesu Christi ...".
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon Markus » 28. März 2012, 11:43

Lieber Wolfgang!

Vielen Dank für Deine kurzen und durchaus nachvollziehbaren Antworten. Danach hätte also GOTT im Anfang den gesamten Raum aufgepannt und ausgebreitet und etwa gleichzeitig die gesamte Materie/Erde im Rohzustand(das Quantenchaos) geschaffen. Zu erwähnen ist, dass aus Naturwissenschaftlicher Sicht, es einen absolut leeren Raum gar nicht geben gibt, sondern, dass auch der leere Raum aus etwas besteht.

Der Theologe und Quantenphysiker Polkinghorn(leider befürwortet er das nicäische Glaubensbekenntnis) vertritt die Ansicht, dass die Erschaffung des Himmels und der Erde grundsätzlich ganzen Bereich der Ideen(Informationen) und der ungeordneten Materie einschließt, die sich in einer Wechselwirkung befinden. Der Raum ist eben nicht einfach nichts, sondern besteht aus Infomationen und Ideen.

Auch ich denke, dass der erste Vers der Bibel keine Überschrift ist, sondern GOTTES erste und grundsätzliche Schöpfungshandlung, welches die Einleitung war zu allen anderen Schöpfungswerken. Ausserdem wird in Vers 2 genau die Erde als wüst und leer beschrieben, die in Vers 1 geschaffen wurde. Wäre Vers 1: Im Anfang erschuf GOTT Himmel und Erde eine Überschrift, so stünde Vers 2 bzw die dort beschriebene Erde in der Luft, weil man in diesem Fall nicht wüsste woher die Erde gekommen ist.

GOTT so meine Ansicht erschuf den Himmel und die Erde aus dem Nichts und sozusagen aus SICH SELBST, durch die wirksame Kraft SEINER Gedanken und SEINES Wortes.

Warum steht im ersten Vers eigentlich nicht und GOTT sprach es werde Himmel und GOTT sprach es werde Erde? Hat der Verfasser dies vielleicht aus stilistischen Gründen weggelassen? Soll die Betonung darauf gelegt werden, dass GOTT Kraft SEINES Verstandes den Himmel und die Erde geschaffen hat?

LG Markus
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon BC Editor » 28. März 2012, 13:11

Hallo lieber Markus
Markus hat geschrieben:Warum steht im ersten Vers eigentlich nicht und GOTT sprach es werde Himmel und GOTT sprach es werde Erde? Hat der Verfasser dies vielleicht aus stilistischen Gründen weggelassen? Soll die Betonung darauf gelegt werden, dass GOTT Kraft SEINES Verstandes den Himmel und die Erde geschaffen hat?

in dem Bericht in 1Mo 1 wurde in den verschiedenen Handlungen Gottes eigentlich nur 3 mal etwas "erschaffen" (V. 1 - "Himmel und Erde", 21 - "alles Getier", 27 - "den Menschen"). Die restlichen Handlungen Gottes in diesem Kontext sind immer "Gott sprach: ...." und "es wurde ...".
Mir scheint, bei vielen Handlungen Gottes wurde etwas bereits Existierendes benutzt und weiter geordnet, usw ... wohingegen in den 3 Stellen, als Gott etwas "schuf", möglicherweise etwas ins Dasein kam, was zuvor eben noch nicht in irgendeiner Weise existiert hatte?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon Markus » 29. März 2012, 09:59

Hallo Wolfgang!

Es ist auch mein Verständnis, dass das Wort bara(erschuf) im 1. Kapitel der Bibel eine ganz besondere Bedeutung hat. Es bezeichnet das Hervorbringen von Dingen und Sachen die vorher nicht da waren. Hinsichtlich des 1.Verses der Bibel sollte es daher so verstanden werden, dass GOTT tatsächlich Himmel und Erde als 2 Bereiche, oder Dinge schuf, die vorher absolut nicht vorhanden waren. Also geht es in 1.Mose 1,1 tatsächlich um Schöpfung aus dem Nichts. Da es kein Ausgangsmaterial gab, kann GOTT den Himmel und die Erde nur aus SICH selbst heraus, durch die Kraft SEINES Verstandes, SEINER Gedanken und SEINES Wortes geschaffen haben. Daraus kann man folgern, dass vor der Erschaffung des Universums nur GOTT existierte!

LG Markus
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon Sola_Scriptura » 1. Januar 2013, 12:30

Hallo,

Gen. 1:1 ist keine Überschrift, sondern der 1. Satz. "Himmel und Erde" ist der hebräische Ausdruck für das ganze Weltall incl. Himmelskörper. Es wird der erste Schöpfungsakt, die grundlegende Neuentstehung von Raum, Zeit und Materie beschrieben. Wie ihr schon richtig gesagt habt, gibt es nur drei dieser Neuentstehungen im Schöpfungsbericht:

:idea: Raum, Zeit und Materie

:idea: Tierisch-seelisches Leben

:idea: Menschlich-geistiges Leben

Ansonsten wurde schon Bestehendes entwickelt, geformt, zum Vorschein gebracht.
Mit freidenkerischen Grüßen
Sola_Scriptura
 
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon pavle » 7. Februar 2016, 01:05

Ich habe vor einiger Zeit einen Verlauf bis zum siebten Tag erstellt. Ich erhebe keinen Anspruch auf 100% Richtigkeit, aber bisher gab es noch keine konkreten Gegenargumente.

Vor der Schöpfung: (1 Mo 1,1-2a)
Das 3-Dimensionale Weltall war nicht da, die Erde war nicht da.
1. Die Naturgesetze werden geschaffen.
2. Die Zeit wird geschaffen.
3. Der Raum wird geschaffen. (Strings -> Gluonen ?)
4. 4(+)-Dimensionale Wesen (Engel) werden geschaffen. (Hiob 38, 4-7)

Der Sündenfall der Engel. (?)*

Die Schöpfung des 3-Dimensionalen Weltalls. (1. Higgs-Bosonen, 2. Quarks und Leptonen, 3. Z-/W-Bosonen und Gluonen ?)
Schöpfung der Erde.

Der Sündenfall der Engel. (?)*

Zustand der Erde (1Mo 1.2b)

Tag 1
Licht (Photonen) entsteht
Tag-und-Nacht Trennung.

Tag 2
(Ur-)Atmosphäre wird geschaffen.

Tag 3
Land-Wasser-Trennung.
Gras, Getreide und Obstbäume werden geschaffen.

Tag 4
"Sterne" beginnen zu leuchten; Mond reflektiert das Sonnenlicht.

Tag 5
Alle Wasser- und Luftbewohner werden geschaffen.
    1. Gebot: Seid fruchtbar und vermehrt euch (Wasser- und Luftbewohner)


Tag 6
Alle Nutztiere, Kriechtiere und Wilde Tiere werden geschaffen.
Die Menschen werden geschaffen.
    1. Gebot: Seid fruchtbar und vermehrt euch (Mensch)
    2. Gebot: Mensch als Herrscher der Erde
    3. Gebot: Pflanzen sind Nahrung für Mensch und Tier
Schaffung des Menschen
Pflanzung des Gartens
    3. Gebot: Bäume des Gartens sind Nahrung für Menschen


Zusammenfassung 6. Tag:
1 Landtiere werden geschaffen
2 Mann wird geschaffen
3 Der Garten wird gepflanzt
4 Der Mann kommt in den Garten
5 Den Tieren werden Namen gegeben
6 Die Frau wird geschaffen

Schlussfolgerung

Tag 7
1. Heiligung: Sabbat

Schlussfolgerung

Danach
Schaffung anderer 3-Dimensionaler Zivilisationen. (?)*
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon AlTheKingBundy » 8. Februar 2016, 04:31

pavle hat geschrieben:Ich habe vor einiger Zeit einen Verlauf bis zum siebten Tag erstellt. Ich erhebe keinen Anspruch auf 100% Richtigkeit, aber bisher gab es noch keine konkreten Gegenargumente.

Vor der Schöpfung: (1 Mo 1,1-2a)
Das 3-Dimensionale Weltall war nicht da, die Erde war nicht da.
1. Die Naturgesetze werden geschaffen.
2. Die Zeit wird geschaffen.
3. Der Raum wird geschaffen. (Strings -> Gluonen ?)
4. 4(+)-Dimensionale Wesen (Engel) werden geschaffen. (Hiob 38, 4-7)


Hallo pavle,

allein diesen Ansatz halte ich für grundlegend falsch, da der Schöpfungsbericht aus der Sicht eines irdischen Beobachters formuliert wurde. Es werden nicht erst die Physik und das All geschaffen. Es heißt "Im Anfang" also war da schon etwas.

Auch ist Dein Ansatz physikalisch falsch:

1. Die Naturgesetze werden geschaffen.
2. Die Zeit wird geschaffen.
3. Der Raum wird geschaffen. (Strings -> Gluonen ?)

Die Naturgesetze können nicht unabhängig von Raum und Zeit geschaffen werden. Die ersten drei Punkte müssen gleichzeitig existieren. Raum existiert nicht ohne Zeit und die Naturgesetze nicht ohne ide Raum-Zeit.
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon pavle » 8. Februar 2016, 10:30

Leider nicht. Man darf sich nicht auf die Übersetzung verlassen. Mann müsste folgendermaßen übersetzen:

Als/Bevor Gott [w. Götter] begonnen hatte, das Weltall [w. Himmel und Erde] zu schaffen, gab es die Erde noch gar nicht [w. war die Erde null und nichts].

dann kommt ein Bruch, der im Alt-Hebräischen nicht ungewöhnlich ist. Da werden oft allgemein unstrittige Tatsachen gar nicht erwähnt. In erste Mose 1 wird die Schöpfung gar nicht explizit erwähnt. Dann geht es weiter:

[Und] Dunkelheit war über der Tiefe und der Atem von Gott [w. Götter] wehte über der Oberfläche des Wassers.

Zum zweiten Teil: Das ist leider auch falsch. Mann kann Regeln aufstellen auch ohne Raum-Zeit, macht zwar wenig Sinn wenn es dabei bleibt, aber Gott hat ja weitergemacht. Wenn du darauf bestehst, dass alles gleichzeitig kam - OK, aber niemals in einer anderen Reihenfolge. Du vergisst wie Gott geschaffen hat - durch das Wort. Also ist diese Reihenfolge die einzig mögliche.
Dass alles in einem "Satz" geschaffen wurde, das denke ich auch, aber eben Nacheinander.
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Re: 1.Mose 1,1

Beitragvon AlTheKingBundy » 8. Februar 2016, 17:57

Was meinst Du mit "man darf sich nicht auf die Übersetzung verlassen"? Was ist denn für Dich Glaubensgrundlage, die Schrift, ein Bauchgefühl oder Deine Interpretation? Sicher, in 1. Mose 1 wird die Schöpfung des Weltalls gar nicht erwähnt, es heißt ja auch IM ANFANG, das davor ist halt nicht weiter wichtig, erwähnenswert. Also macht es meiner Meinung nach auch keinen Sinn, darüber im biblischen Sinne zu spekulieren.

Der zweite Teil, den Du erwähnst ist und bleibt falsch. Ich weiß das ziemlich gut, weil ich Physik studiert habe :mrgreen:
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