1Mo 3,1

Austausch zu Fragen bzgl. AT Schriftstellen

1Mo 3,1

Beitragvon BC Editor » 14. Juni 2012, 09:29

Hallo

in einem Beitrag in einem anderen Thema ( Mt 4,1 ) wurde Bezug genommen auf die Stelle in 1Mo 3:
1Mo 3,1 (Lu 1984)
Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?
Markus hat geschrieben:Wer ist die Schlange in 1.Mose 3? Geht es da wirklich nur um ein Tier, oder verbirgt sich an dieser Stelle mehr dahinter? Wenn dies der Fall ist und sein sollte, dann ist dies ein Indiz dafür, dass auch in anderen Texten, ein Sinn hinter dem Literalsinn zu suchen ist? (HInter der Schlange steht eine unsichtbare Macht)

Weist hier in 1Mo 3,1 nicht schon ein Teil der Aussage im Vers selbst (=> " ... war listiger als alle Tiere auf dem Felde") darauf hin, dass die Aussage von dem Tier die Schlange im buchstäblichen Sinne handelt?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon walliknurz » 5. Oktober 2012, 08:00

Dieses Detail in der Genesiserzählung kann einem schon Rätsel aufgeben, da bekanntermaßen eine sprechende Schlange nur im Märchen vorkommt. :) Von daher muss man, wie grundsätzlich bei der Bibelauslegung, weitere Texte heranziehen, die mit dem Thema in Verbindung stehen. Zum Beispiel fällt mir da die Geschichte mit Bileam ein (4. Mose 22,26 bis 31; 2. Petrus 2,15 und 16). Gott schickte einen Engel, der Bileams Esel reden ließ. Da Gott jedoch niemand versucht, hat er natürlich nicht veranlasst, dass die Schlange in Eden zu Eva sprach und zum Ungehorsam verleitete (Jakobus 1,13). Aus der Bibel geht jedoch hervor, dass auch noch andere Wesen im geistigen Bereich solche und andere Wunder wirken können. Ich denke da an die Begebenheit, als ägyptische Priester, die Magie trieben, das Wunder von Moses nachahmten und Stäbe zu Schlangen verwandelten (2. Mose 7,8 bis 12). So etwas Erstaunliches gelang ihnen selbstverständlich nur, weil Gottes Feinde im unsichtbaren Bereich nachhalfen.
Des weiteren denke ich bei 1.Mose 3,1 auch an Jesu Aussage vom "Vater der Lüge" aus Johannes 8,44. Würde man unter dem „Vater der Lüge“ nicht den verstehen, der die Lüge ins Leben gerufen hat? Wo wurde denn die erste Lüge in die Welt gesetzt, sozusagen geboren? Gott hatte gesagt, Adam und Eva würden sterben, wenn sie von der verbotenen Frucht essen. Die Schlange behauptete genau das Gegenteil: „Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben“ (1. Mose 3:4). Und in der Offenbarung, die der Apostel Johannes von Jesus übermittelt bekam, wird Satan deswegen „die Urschlange“ genannt (Offenbarung 1,1; 12,9).
Ist der Gedanke, dass ein mächtiges Geistwesen wie Satan eine Schlange zum „Sprechen“ bringt, wirklich so weit hergeholt? Schließlich können sogar Menschen durch Bauchreden und verblüffende Tricks ein Publikum zum Staunen bringen — und sie haben längst nicht die Fähigkeiten von Geistwesen.
walliknurz
 
Beiträge: 5
Registriert: 13. September 2012, 20:39

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon walliknurz » 10. Oktober 2012, 11:09

BC Editor hat geschrieben:Weist hier in 1Mo 3,1 nicht schon ein Teil der Aussage im Vers selbst (=> " ... war listiger als alle Tiere auf dem Felde") darauf hin, dass die Aussage von dem Tier die Schlange im buchstäblichen Sinne handelt?


Ich habe mir darüber noch Gedanken gemacht, nachgeforscht und bin auf Epheser 6,11 gestoßen. "Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge (Od.: „Listen“, „listigen Handlungen“. Gr.: methodías (methodéias); lat.: insịdias) des Teufels." "Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts" (2. Kor. 11,14). Der Vorfall in Eden ist ein Beispiel dafür, wie der Teufel Menschen mit eiskalter Berechnung von Gott weglockt. Ich kann diesen Bericht somit nicht als Fabel mit einem sprechenden Tier ansehen - unter Einbeziehung anderer Bibeltexte.

Wichtig ist auch noch die Nutzanwendung des Edenberichts für uns. Dazu 2. Kor. 11,3: "Ich fürchte jedoch, es könnte euch gehen wie Eva. Eva wurde auf hinterlistige Weise von der Schlange verführt, und genauso könnten auch eure Gedanken unter einen verhängnisvollen Einfluss geraten, sodass die Aufrichtigkeit und Reinheit eurer Beziehung zu Christus verloren gehen" (Neue Genfer Übersetzung). Sowie 2. Kor. 2,11: "Damit der Satan uns nicht überlistet. Schließlich kennen wir seine Fallen und Tricks nur zu gut" (Neues Leben. Die Bibel).
walliknurz
 
Beiträge: 5
Registriert: 13. September 2012, 20:39

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon Michael » 28. November 2012, 13:45

Hallo Wolfgang,
ich habe noch folgenden interessanten Gedanken gefunden:

Die Israeliten hatten das Land Kanaan in Besitz genommen und bevölkert. Die Kanaaniter hatten einen blühenden heidnischen Kult, der seinen Eindruck auf die Israeliten nicht verfehlte. Die Schlange war dabei ein heiliges Tier, das hochaufgerichtet dargestellt wurde und für Fruchtbarkeit und Leben stand. Die Schlange stand also für das Heidentum, und immer wenn sich die Israeliten einem Kult anderer Götter zuwandten, brach Unheil und Not aus. Also wird die Schlange in den Schöpfungsbericht zurückverlegt, in ihr schimmert die Religion der Bewohner Kanaan mit durch. Wer sich der Schlange zuwendet, verfällt dem Verderben, wie die ersten Menschen im Paradies.....
Interessant ist vielleicht in dem Zusammenhang noch, dass Gott die Schlange zum kriechen auf der Erde verdammt!

LG
Michael
Michael
 
Beiträge: 118
Registriert: 5. Juni 2012, 22:39

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon Markus » 29. November 2012, 12:45

Hallo Wolfgang!

Es leuchtet mir ein, dass wenn die Schlange als listiger als alle Tiere des Feldes bezeichnet wird, die Schlange ein echtes Tier sein muss, sonst macht der Vergleich gar keinen Sinn.

Man hat allerdings schon Schwierigkeiten sich die bzw sich eine Schlange als intelligenter = listiger als Menschenaffen vorzustellen. Die Frage wäre, was denn mit listiger gemeint ist und ob es vielleicht eine andere Möglichkeit gibt das Wort listiger zu übersetzen.

Liebe Grüße Markus
Markus
 
Beiträge: 284
Registriert: 14. März 2012, 08:37

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon BC Editor » 2. Dezember 2012, 17:46

Hallo Michael,

Michael hat geschrieben:ich habe noch folgenden interessanten Gedanken gefunden:

Die Israeliten hatten das Land Kanaan in Besitz genommen und bevölkert. Die Kanaaniter hatten einen blühenden heidnischen Kult, der seinen Eindruck auf die Israeliten nicht verfehlte. Die Schlange war dabei ein heiliges Tier, das hochaufgerichtet dargestellt wurde und für Fruchtbarkeit und Leben stand. Die Schlange stand also für das Heidentum, und immer wenn sich die Israeliten einem Kult anderer Götter zuwandten, brach Unheil und Not aus. Also wird die Schlange in den Schöpfungsbericht zurückverlegt, in ihr schimmert die Religion der Bewohner Kanaan mit durch. Wer sich der Schlange zuwendet, verfällt dem Verderben, wie die ersten Menschen im Paradies.....

mir erscheinen solche Interpretationsversuche mit "zurückverlegt" als "Pferd von hinten aufgezäumt" und letztlich mehr falsch als richtig. Klingt ein bißchen wie das, was ich hin und wieder in Predigten gehört habe, wo "heutige Situationen" genommen werden und dann im Laufe der Predigt quasi "heutiges" als in die Schrift hinein geschrieben hingestellt wird. Solches findet sich meist bei Abschnitten und Aussagen, die durchaus schwierig zu verstehen sind ... nur helfen derartige "rückwärts" Spekulationen wirklich weiter, um zu einem rechten Verständnis dessen zu gelangen, was der Schreiber im Text ausgedrückt hat?

Was die Schlange angeht, und insbesondere eine "aufgerichtete Schlange" und wofür sie steht, verweisen viele eher auf das Geschehen während der Wüstenwanderung der Israeliten, als Mose eine eherne Schlange aufrichtete und alle unter den Israeliten von Unheil verschont blieb, der zu dieser Schlange aufschaute .... hat also mit "Heidentum Symbolik" absolut nichts zu tun!
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon Michael » 14. Dezember 2012, 15:42

Hallo Wolfgang,
wie auch immer man die Bedeutung der Schlange bewerten mag, ich wuerde den Hinweis auf einen existierenden Schlangengott nicht so einfach beiseite schieben wollen! Auch der Gott EL reicht ja weiter zurueck als die juedische Religion! Siehe Yeshua's Anrufung am Kreuz: El(i), El(i), das i am Ende steht fuer mein! In deutscher Uebersetzung einfach mit "mein Gott" uebersetzt, was ja eigentlich falsch ist, da es sich um den Gottesnamen "El" handelt! Andere Formen sind Eloha und Elohim! Man sieht also existierende Ueberlieferungen bleiben nicht ohne Einfluss auf eine neue Religion!
Liebe Gruesse
Michael
Michael
 
Beiträge: 118
Registriert: 5. Juni 2012, 22:39

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon BC Editor » 14. Dezember 2012, 15:56

Hallo Michael
Michael hat geschrieben:... Siehe Yeshua's Anrufung am Kreuz: El(i), El(i), das i am Ende steht fuer mein! In deutscher Uebersetzung einfach mit "mein Gott" uebersetzt, was ja eigentlich falsch ist, da es sich um den Gottesnamen "El" handelt! ...

Seit wann ist "El" der Gottesname? Mir wurde bisher immer mitgeteilt, dass "YHWH" der Gottesname sei
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon BC Editor » 14. Dezember 2012, 15:57

Hallo Michael
Michael hat geschrieben:wie auch immer man die Bedeutung der Schlange bewerten mag, ich wuerde den Hinweis auf einen existierenden Schlangengott nicht so einfach beiseite schieben wollen!

wo steht in 1Mo 3,1 etwas von einem Schlangengott?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
(BibelCenter Editor)
BC Editor
Administrator
 
Beiträge: 758
Registriert: 13. März 2012, 10:57

Re: 1Mo 3,1

Beitragvon Michael » 14. Dezember 2012, 16:54

Hallo Wolfgang,
schau mal was die Bibelwissenschaftsseite dazu sagt:

Das AT betont zudem die Tatsache, daß der Name Gottes erst Mose im Zusammenhang der Offenbarung am Sinai mitgeteilt wurde. Belegtexte dafür sind Ex 3,13ff. und Ex 6,2ff.. Ex 6,3 besagt ausdrücklich, daß Gott den Vätern nicht als JHWH, sondern als El Schaddaj erschienen sei (dies wird in der Regel mit "der Allmächtige" übersetzt). Da der Text Ex 6 der priesterlichen Schicht (P) zugehört, rechnet man für diese Quelle mit einer eigenen theologischen Aussageabsicht durch die Periodisierung des Gottesnamensgebrauchs: In der Urgeschichte hat P die allgemeine Gottesbezeichnung Elohim verwendet, was gut zu der universalen Dimension des Geschehens paßt. In den (wenigen) P-Texten zu den Erzvätern Israels (vgl. Gen 17,1) steht El Schaddaj; seit der Offenbarung an Mose konnte dann JHWH verwendet werden.

Yeshua am Kreuz, ruft El direkt an, steht also auch im NT!

Natuerlich steht der Schlangengott nicht in Moses, habe ich doch auch nicht gesagt! Ich habe lediglich darauf hingewiesen, das dieser als lokaler Gott existierte!

LG
Michael
Michael
 
Beiträge: 118
Registriert: 5. Juni 2012, 22:39

Nächste

Zurück zu AT Schriften

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron