Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Austausch zu Fragen bzgl. NT Schriftstellen

Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon BC Editor » 23. Dezember 2017, 20:24

In einem anderen Thema wurde folgendes bzgl. der Stelle in Mat 1,23 erwähnt, was mich dazu veranlasste, hier ein neues Thema für eine weitere Erörterung zu erstellen.
Helmuth hat geschrieben: Du trittst hier auf einen wunden Punkt meinerseits. Ich erachte die ersten beiden Kap. aus Mt. schlicht falsch. Sie sollten nicht Teil des Bibelkanons sein. Es gibt zu viele Unklarheiten und vor allem Differenzen zu Lukas 1-3. Und dann sieh dir den religiösen Krippenkult an, der daraus in der Christenheit entstanden ist. Da ist was faul im Hause Gottes.

Gibt es Indizien aufgrund der textlichen Überlieferung, z.B. anhand existierende früher Handschriften, die bzgl. dieser Frage weiteren Aufschluss geben könnte?
Sind Unterschiede zwischen den einzelnen Evangelien (wie zwischen Mat 1-2 und Lukas 1-3) ausreichender Grund bzw ein sicheres Indiz dafür, dass einer der abweichenden Texte nicht inspirierte Schrift sind? Falls ja, wie kann man bestimmen, welcher der voneinander abweichenden Texte der von Gott inspirierte ist und welcher eigentlich gar nicht zu den biblischen Schriften gehören sollte?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon Helmuth » 24. Dezember 2017, 00:36

BC Editor hat geschrieben:Sind Unterschiede zwischen den einzelnen Evangelien (wie zwischen Mat 1-2 und Lukas 1-3) ausreichender Grund bzw ein sicheres Indiz dafür, dass einer der abweichenden Texte nicht inspirierte Schrift sind?

Ich würde nicht mit der Schlussfolgerung beginnen, sondern mit den Unterschieden bzw. Ungereimtheiten. Dann sehen wir, ob sich diese auflösen lassen. Wenn nicht können uns im Weiteren die Frage stellen warum nicht.

Aber immer Step by Step.

Ungereimtheit 1
Die Stammbäume zwischen in Mt. 1 und Lk. 3 verlaufen über unterschiedliche Linien von David zu Jesus (bzw. Josef). Warum?
Liebe Grüße
Helmuth
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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon BC Editor » 24. Dezember 2017, 07:16

Helmuth hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Sind Unterschiede zwischen den einzelnen Evangelien (wie zwischen Mat 1-2 und Lukas 1-3) ausreichender Grund bzw ein sicheres Indiz dafür, dass einer der abweichenden Texte nicht inspirierte Schrift sind?
Ich würde nicht mit der Schlussfolgerung beginnen, sondern mit den Unterschieden bzw. Ungereimtheiten. Dann sehen wir, ob sich diese auflösen lassen. Wenn nicht können uns im Weiteren die Frage stellen warum nicht.

Das ist keine Schlussfolgerung, sondern eine grundsätzliche Frage bzgl. Unterschieden in den Evangelienberichten.
Helmuth hat geschrieben: Ungereimtheit 1
Die Stammbäume zwischen in Mt. 1 und Lk. 3 verlaufen über unterschiedliche Linien von David zu Jesus (bzw. Josef). Warum?

Weil einer der Stammbaum Jesu über Maria, die Mutter Jesu, ist, der die Linie Jesu als des Sohnes Abrahams des Sohnes Davids über dessen königliche Linie aufzeigt, wohingegen der andere den Stammbaum über den menschlichen Adoptivvater zurück bis Adam darlegt und Jesus als den Menschensohn betont.
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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon Helmuth » 24. Dezember 2017, 07:50

BC Editor hat geschrieben:Weil einer der Stammbaum Jesu über Maria, die Mutter Jesu, ist, der die Linie Jesu als des Sohnes Abrahams des Sohnes Davids über dessen königliche Linie aufzeigt,

Die Antwort mit Maria habe ich wie das Amen im Gebet erwartet. Ich beschäftige mich mit der Thematik ja nicht erst seit gestern. Woraus geht das hervor? Für mich ist das rein spekulativ. Und wenn dem so sein sollte, dann wäre ein weiterer Punkt der aufgelöst gehört der, ob Maria überhaupt Jüdin war.
Lk 1, 36 hat geschrieben:Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch mit einem Sohne schwanger in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat bei ihr, welche unfruchtbar genannt war;

Elisabeth und Maria waren verwandt, Elisabeth war aus dem Stamm Levi, konkret eine Tochter Aarons:
Lk 1, 5 hat geschrieben:Es war in den Tagen Herodes', des Königs von Judäa, ein gewisser Priester, mit Namen Zacharias, aus der Abteilung Abias; und sein Weib war aus den Töchtern Aarons, und ihr Name Elisabeth.

Ich schreibe dem Lukas eine deutlich höhere Kompetenz zu historische Recherchen korrekt durchgeführt zu haben, während sich Matthäus mehr auf die prophetischen Vorhersagen konzentriert. Beides ist wichtig, aber in diesem kokreten Fall geht es um die korrekte fleischliche Herkunft. Der Verwandtschaftsgrad Marias zu Elisabeth wird nicht näher angegeben. Für mich liegt es näher, dass beide Leviten (Aaronitinnen) waren.

Zugegebenermaßen sei das auch spekutlativ, doch wie dem auch sei, es wird bei der Abstammungslinie in allen biblischen Chroniken die männliche Linie verfolgt, spricht man spezifisch vom Samen Abrahams. Frauen wurden auch außerhalb des Volkes Israel einbezogen, es zählt aber der männliche Same. Sonst wäre es keine Sohnschaft, auf die sich Gott in seiner Auswahl beruft.

Die Begriffe "Sohnschaft", "Same" sind auch geistlicher Natur, unser bewährter Zankapfel ( ;) ), aber hier wird die fleischliche Herkunft hervorgehoben, um zu zeigen, dass Jesus eindeutig ein Jude aus dem Volk Israel ist, aus dem das Heil kommt. Auch Paulus betont die fleischliche Abstammung:
Röm 9, 5 hat geschrieben:deren die Väter sind, und aus welchen, dem Fleische nach, der Christus ist, welcher über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit. Amen.


BC Editor hat geschrieben:wohingegen der andere den Stammbaum über den menschlichen Adoptivvater zurück bis Adam darlegt und Jesus als den Menschensohn betont.

Wir haben weiters die Problematik, dass für Jesus gar keine fleischliche Abstammung Josefs vorliegt, als das Kind vom Heiligen Geist gezeugt wurde. Als Adoptivkind wäre das Kind im juristischen Sinne aber Jude, weil Josef einer war. Josefs Herkunft ist daher für mich relevant, und es ist auch belegt, dass er sich zur Volkszählung nach Bethlehem begeben hat. Seine Herkunft ist damit geklärt. Und so wurde das Kind Jesus auch in das dortige Register wie wie heute sagen würden "standesamtlich" als Sohn Josefs & Marias beurkundet.

Marias Herkunft bleibt in diesem Zusammenhang m.E. weiter gegenstandslos, klarerweise mit der gravierenden Ausnahme, dass sie nicht einen Geist, sondern ein menschliches Kind, den Sohn Gottes, geboren hat.

Die Abstammungslinien folgen beide den männlichen Linien hin zu Josef, bloß einmal ab- und einmal aufsteigend. Sie können aber nicht unterschiedlich sein, denn genau das ist ein Widerspruch. Mt. 1 verfolgt die Linie über Davids Sohn Salomo und den weiteren jüdischen Königen, wahrscheinlich um zu betonen, dass Jesus König ist, Lk. 3 zeichnet die Linie über den den weniger bekannten Sohn Nathan.

Eine ist m.E. falsch. Welche? Aus dargelegter Perspektive bevorzuge ich heute Lukas und betrachte Matth. als falsch.
Zuletzt geändert von Helmuth am 24. Dezember 2017, 10:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon BC Editor » 24. Dezember 2017, 10:05

Helmuth hat geschrieben: Ich schreibe dem Lukas eine deutlich höhere Kompetenz zu historische Recherchen korrekt durchgeführt zu haben, während sich Matthäus mehr auf die prophetischen Vorhersagen konzentriert.

Recherche Kompetenz als Maßstab für Korrektheit von Inspiration / Offenbarung ?
Helmuth hat geschrieben: Beides ist wichtig, aber in diesem kokreten Fall geht es um die korrekte fleischliche Herkunft. Der Verwandtschaftsgrad Marias zu Elisabeth wird nicht näher angegeben. Für mich liegt es näher, dass beide Leviten (Aaronitinnen) waren.

Zugegebenermaßen sei das auch spekutlativ, doch wie dem auch sei, es wird bei der Abstammungslinie in allen biblischen Chroniken die männliche Linie verfolgt, spricht man spezifisch vom Samen Abrahams.
Frauen wurden auch außerhalb des Volkes Israel einbezogen, es zählt aber der männliche Same. Sonst wäre es keine Sohnschaft, auf die sich Gott in seiner Auswahl beruft.

Wenn also ohne Ausnahme die männliche Linie der Abstammung biblisch zählt, hatte Jesus wohl Josef zum leiblichen Vater, aber - entsprechend der von Lukas erwähnten Abstammungslinie - eigentlich gar keinen Anspruch auf Davids Thron, da dieser nicht aus der königlichen Linie stammte?

Liegt in 1Mo 3,15 auch ein Fehler vor, wo der kommende Messias als der Same/Nachkomme des Weibes (und nicht um den Nachkommen des Mannes) bestimmt wird?
Helmuth hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: wohingegen der andere den Stammbaum über den menschlichen Adoptivvater zurück bis Adam darlegt und Jesus als den Menschensohn betont.
Wir haben weiters die Problematik, dass für Jesus gar keine fleischliche Abstammung Josefs vorliegt, als das Kind vom Heiligen Geist gezeugt wurde.

Warum berufst Du dich hier nun genau auf das, was in Mt 1:18-25 dargelegt ist? was fleischliche Abstammung betrifft, liegt diese durch die von Gott mittels eines Wunders in MARIA hervorgerufene Schwangerschaft vor .... die Blutlinie allerdings war nicht aus einem Manne, sondern durch den von Gott per Kraft heiligen Geistes bereitgestellte Samen (die männliche Komponente, die für eine Zeugung / Empfängnis eines Menschen notwendig ist.
Helmuth hat geschrieben: Marias Herkunft bleibt in diesem Zusammenhang m.E. weiter gegenstandslos, klarerweise mit der gravierenden Ausnahme, dass sie nicht einen Geist, sondern ein menschliches Kind, den Sohn Gottes, geboren hat.

Vgl. 1Mo 3 ... s.o.
Helmuth hat geschrieben: Die Abstammungslinien folgen beide den männlichen Linien hin zu Josef, bloß einmal ab- und einmal aufsteigend. Sie können aber nicht unterschiedlich sein, denn genau das ist ein Widerspruch. Mt. 1 verfolgt die Königslinie, beginnend von Davids Sohn Salomo, wahrscheinlich um zu betonen, dass Jesus König ist, Lk. 3 zeichnet die Linie über den den weniger bekannten Sohn Nathan. Eine ist m.E. falsch. Welche? Aus dargelegter Perspektive bevorzuge ich heute Lukas und betrachte Matth. als falsch.

Nun, wenn der Stammbaum in Matthäus falsch ist, hatte Jesus keinen Anspruch auf den "Thron Davids" und könnte somit nicht derjenige sein, den Gott bereits seinem Vater David verheißen hatte und könnte nicht dieser verheißene König sein.

Ich halte die Annahme, dass der Stammbaum in Mat 1 hin zu Josef, den Ehemann der Maria, führt, für falsch ... da dann die erwähnte Anzahl Geschlechter ab der Babylonischer Gefangenschaft nicht mehr stimmen würde ... der in Mat 1 erwähnte Josef war der Vater der Maria, so dass auch diese Gruppe von Geschlechtern dann 14 erwähnte Geschlechter umfasst.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon Helmuth » 24. Dezember 2017, 10:17

BC Editor hat geschrieben:Wenn also ohne Ausnahme die männliche Linie der Abstammung biblisch zählt, hatte Jesus wohl Josef zum leiblichen Vater, aber - entsprechend der von Lukas erwähnten Abstammungslinie - eigentlich gar keinen Anspruch auf Davids Thron, da dieser nicht aus der königlichen Linie stammte?

Ich hab's schon erklärt. Hier zählt der jurstische Aspekt. Jesus war Jude.

BC Editor hat geschrieben:Liegt in 1Mo 3,15 auch ein Fehler vor, wo der kommende Messias als der Same/Nachkomme des Weibes (und nicht um den Nachkommen des Mannes) bestimmt wird?

Hab ich auch schon erklärt. Es gibt auch die geistliche Dimension. Hier aber geht es um den natürlichen Aspekt.

BC Editor hat geschrieben:Warum berufst Du dich hier nun genau auf das, was in Mt 1:18-25 dargelegt ist?

Das wird auch in Lk. 1:35 bezeugt ---> seine Aussagen haben für mich hier die höhere Glaubwürdigkeit.

BC Editor hat geschrieben:Nun, wenn der Stammbaum in Matthäus falsch ist, hatte Jesus keinen Anspruch auf den "Thron Davids"

Gem. der Mt. Linie hat er auch keinen Anspruch, genau darum erachte ich ihn ja falsch.
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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon BC Editor » 24. Dezember 2017, 13:26

Helmuth hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Wenn also ohne Ausnahme die männliche Linie der Abstammung biblisch zählt, hatte Jesus wohl Josef zum leiblichen Vater, aber - entsprechend der von Lukas erwähnten Abstammungslinie - eigentlich gar keinen Anspruch auf Davids Thron, da dieser nicht aus der königlichen Linie stammte?
Ich hab's schon erklärt. Hier zählt der jurstische Aspekt. Jesus war Jude.

Also erklärt wurde da bislang gar nichts, außer dass die Linie in Luk gar nichts mit der königlichen Linie zu tun hat. Es zählte nirgends sonst ein "juristischer Aspekt", sondern die Verbindung per natürlicher Abstammung ... warum sollte das plötzlich dann nicht mehr der Fall sein?
Helmuth hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Liegt in 1Mo 3,15 auch ein Fehler vor, wo der kommende Messias als der Same/Nachkomme des Weibes (und nicht um den Nachkommen des Mannes) bestimmt wird?
Hab ich auch schon erklärt. Es gibt auch die geistliche Dimension. Hier aber geht es um den natürlichen Aspekt.

Auch hier wurde bislang nichts erklärt ... mit "geistlichem Aspekt" wäre demnach dann zu sagen, dass Jesus gar nicht in natürlicher Hinsicht der Nachkomme Marias war, sondern irgendwie "geistlich"?
Helmuth hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Warum berufst Du dich hier nun genau auf das, was in Mt 1:18-25 dargelegt ist?

Das wird auch in Lk. 1:35 bezeugt ---> seine Aussagen haben für mich hier die höhere Glaubwürdigkeit.

Warum sollte ein Mensch höhere Glaubwürdigkeit als ein anderer haben? Hat Jesus den mit der geringeren Glaubwürdigkeit zum Apostel berufen, mit dem, der die größere Glaubwürdigkeit hatte, hatte er dagegen gar nichts zu tun ?
Und warum unterschiedliche Glaubwürdigkeit, wo doch Mt 1,18ff die gleiche Information (allerdings etwas ausführlicher) wie Lk 1,35 darlegt?
Helmuth hat geschrieben:
BC Editor hat geschrieben: Nun, wenn der Stammbaum in Matthäus falsch ist, hatte Jesus keinen Anspruch auf den "Thron Davids"
Gem. der Mt. Linie hat er auch keinen Anspruch, genau darum erachte ich ihn ja falsch.

Welche Linie gibt denn Mt 1 wieder? Ist es nicht die königliche Linie von David über Salomo, etc ...?
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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon Salomo » 24. Dezember 2017, 16:29

BC Editor hat geschrieben:Weil einer der Stammbaum Jesu über Maria, die Mutter Jesu, ist, der die Linie Jesu als des Sohnes Abrahams des Sohnes Davids über dessen königliche Linie aufzeigt, wohingegen der andere den Stammbaum über den menschlichen Adoptivvater zurück bis Adam darlegt und Jesus als den Menschensohn betont.

Helmuth hat geschrieben:Die Antwort mit Maria habe ich wie das Amen im Gebet erwartet. Ich beschäftige mich mit der Thematik ja nicht erst seit gestern. Woraus geht das hervor? Für mich ist das rein spekulativ. Und wenn dem so sein sollte, dann wäre ein weiterer Punkt der aufgelöst gehört der, ob Maria überhaupt Jüdin war.


Es ist genau umgekehrt. Lukas verfolgt die weibliche Geschlechtslinie, weil Jesus der Same der Frau ist und Lukas muss deshalb bis auf Eva zurückgehen. Lukas erzählt die Geschichte auch sonst vom Standpunkt der Maria aus, weil er sie wahrscheinlich als Zeugin befragt hat, während Matthäus die Sache von Joseph aus schlildert (Matthäus 1:19,20; Lukas 1:28,29; 2:19).
Matthäus verfolgt die Geschlechtslinie bis auf Abraham zurück, weil Jesus der Same Abrahams und der Sohn Davids sein musste und um Anspruch auf den Thron zu haben (juristisch) aus der weiteren Königslinie stammen musste.
Aber auch die Geschlechtslinie des Lukas zeigt, dass Jesus faktisch ein Sohn Davids ist, was prophetisch vorhergesagt wurde.

Da Jesus nicht der leibliche Sohn Josephs war, hätte man so seinen Anspruch angreifen können, der deshalb nochmals durch den Stammbaum der Maria bestätigt wurde. Aber schon der Engel bestätige den Anspruch Jesu auf den Thron Davids (Lukas 1:32).

Es wird wohl aus offiziellen Geschlechtsregistern zitiert, welche immer über den Mann gingen. Eva wird deshalb durch Adam und Maria durch Joseph vertreten.
Joseph war der Schwiegersohn des Heli. Wahrscheinlich war Maria die Erbin des Heli, weil er keinen Sohn hatte und in diesem Fall zählte dann der Schwiegersohn offiziell als Sohn und Erbe im Geschlechtsregister.
Vielleicht ist Joseph auch deshalb nach Bethlehem gereist, um sich als Erbe im Geschlechtsregister des Heli eintragen zu lassen.

Nach der Überlieferung war Anna die Frau Helis und die Mutter der Maria. Annas Schwester heirate in den Stamm Levi ein und hatte eine Tochter namens Elisabeth, welche die Mutter von Johannes dem Täufer wurde. Damit war Elisabeth die Kusine Marias, obwohl sie durch ihren Vater einem anderen Stamm angehörte.
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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon Helmuth » 24. Dezember 2017, 20:44

BC Editor hat geschrieben:Welche Linie gibt denn Mt 1 wieder? Ist es nicht die königliche Linie von David über Salomo, etc ...?

Korrekt, die Königslinie. Die Könige sind aber nach und nach abgefallen bis zu deren völligen Verwerfung. Gott setzte auch zur Bedingung, dass die Könige im Gesetz wandeln müssen. Das taten sie nicht. Bereits durch Salomo kam es zum Abfall und unter Rehabeam zur Reichsteilung. Ab da saß nicht mehr EIN Thronfolger auf dem Thron Davids, der ganz Israel regierte.

So wählte sich Gott eine andere Linie. David war ja reich an Söhnen. Soweit meine Auslegung. Daher ist die Linie von Lk. historisch auch besser recherchiert, während Mt. auf der Königslinie beharrt, welche ab der Wegführung jedoch keine Nachfolge an Regenten mehr war.

Wie ich Salomo (dem User) im anderen Thread erklärt habe, geht es nicht darum, dem Apostel Matthäus mangelnde Leitung des Heiligen Geistes zu unterstellen, sondern den Zusammenstellern der Texte. Ein Problem ist, dass es keine frühere komplettere Schrift des Mt. gibt, sondern erst spätere, die Textfunde teils nur fragmentarisch vorliegen und den jeweiligen Autoren zugeordnet werden müssen. Erste komplette Evangelien gibt es erst ab dem 4. Jh. (Codex Sinaiticus). Den Faktor Mensch muss man hier einbeziehen.

Von Lk sind sehr alte Papyrusdokumente erhalten, z.B. P4 aus dem 2. Jh., das Kapitel 1-6 enthält. Damit ist die Zuordnug zu Lk ziemlich gesichert. Das früheste von Mt erhaltene Papyrus P1 ist jünger (3.Jh) und enthält nur Mt 1. Man ordnete es Mt als Verfasser zu. War er es? Ein zweites Dokument P70 enthält Teile aus Mt 2-3. Hier ist wieder kein Stammbaum. Schwierig.

Ich werde in der Folge noch weitere Ungereimtheiten vortragen, die mich an der Inspiration Mt. 1 aber auch 2 zweifeln lassen.

Salomo hat geschrieben:Nach der Überlieferung ...

Sorry Salomo, so arbeite ich nicht. Überlieferungen gibt es Abertausende. Bleiben wir am besten innerhalb des biblischen Befundes und der dazugehörigen Texte und beleuchten deren Kontext.
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Re: Mat 1 & 2 - von Gott inspiriert oder nicht?

Beitragvon Salomo » 25. Dezember 2017, 00:54

Papias von Hierapolis schrieb etwa 120 nach Christus, dass Matthäus sein Evangelium ursprünglich in Hebräisch geschrieben hat.
Hieronymus schrieb im vierten Jahrhundert in seinem Werk De viris inlustribus (Über berühmte Männer), Kapitel III, dass das hebräische Matthäusevangelium bis auf diesen Tag in der Bibliothek von Cäsarea erhalten geblieben war.
Der jüdische Arzt Schemtow übernahm im 14. Jahrhundert einen hebräischen Matthäustext in eine polemische Abhandlung gegen das Christentum.

Sein Matthäustext enthält 19mal ausgeschrieben oder abgekürzt den hebräischen Ausdruck „Der Name“.
Professor Howard schreibt in seinem Kommentar dazu: „Diese Lesart des Gottesnamens in einem christlichen Dokument, das von einem jüdischen Polemiker zitiert wird, ist bemerkenswert. Wäre es eine hebräische Übersetzung eines griechischen oder lateinischen christlichen Dokuments, würde man in dem Text adonai [Herr] erwarten, nicht ein Symbol für den unaussprechlichen göttlichen Namen JHWH. . . . Es ist unvorstellbar, daß er den unaussprechlichen Namen hinzugefügt hat. Alles deutet darauf hin, daß Schemtow bereits bei Erhalt des Matthäustextes den göttlichen Namen darin vorfand und daß er ihn wahrscheinlich beibehielt, um sich nicht der Auslassung schuldig zu machen.“

Dies deutet darauf hin, dass auch die ursprüngliche hebräische Version des Matthäusevangeliums bis ins 14. Jahrhundert überliefert wurde, wo Schemtow sie dann übernahm. Im dem mir vorliegenden hebräischen Text des Matthäusevangeliums mit der nebenstehenden englischen Übersetzung von Prof. George Howard sind auch die Kapitel 1 und 2 enthalten. Dort kommt die Abkürzung für „Der Name“ in Mat 1:22,24; 2:13,19 vor. Auch dieser Teil scheint deshalb keine Rückübersetzung aus einem griechischen Text, sondern eine Überlieferung einer alten hebräischen Version zu sein. (https://www.amazon.de/Hebrew-Gospel-Mat ... 0865549893)

Von der Überlieferung her scheinen mir deshalb die ersten beiden Kapitel von Matthäus zu stammen. Blieben jetzt noch mögliche inhaltliche Gründe, für einen Ausschluss. Aber was sollte das sein?
Der Stammbaum? Ist doch nochmal, dass man eine mütterliche und eine väterliche Geschlechtslinie hat. Und weil Jesus nicht der leibliche Sohn Josefs war, war die mütterliche Linie auch wichtig.
Die Geschichte von der Empfängnis? Die wird doch auch von Lukas bestätigt.

Die Geschichte von dem Stern, die letztlich zur Erfüllung einer Prophezeiung führt?
Die Geschichte von der Flucht nach Ägypten, wodurch sich eine Prophezeiung erfüllt?

Warum sollte man jeweils eine Geschichte erfinden, um eine Prophezeiung als erfüllt darzustellen, die man auch lediglich als Geschichtsbericht hätte verstehen können?
Die Gnade sei mit euch!
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