Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Austausch zu Fragen bzgl. NT Schriftstellen

Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon Michael » 30. September 2012, 20:43

Neue Erkenntnisse zum Matthaeus Evangelium

Das Matthaeusevangelium ist das erste in unseren Bibeln, aber die Gelehrten sagen, dass das Markusevangelium das aelteste ist!
Fakt ist, dass alle “synoptischen” Evangelien (Matthaeus, Markus und Lukas) einen textualen Zusammenhang haben, teilweise wortwoertliche Uebereinstimmungen, besonders zwischen Matthaeus und Markus!
Dies wird durch eine gemeinsame griechisch sprachige Quelle genannt “Q” erklaert!
Nach dem Studium einer textualen Analyse durch Dr. Maurice Casey: An Aramaic Approach to Q, habe ich erhebliche Zweifel bekommen, ob diese Theorie so stimmt!
Dr. Casey ist Experte in Aramaeisch und Griechisch und weist in seiner Arbeit nach, dass weder eine einzige Quelle benutzt wurde, noch das es sich urspruenglich um rein griechische Texte handelt, bzw., dass diese Uebersetzungen aus dem Aramaeischen sind!
Hier noch einige Informationen, die sicher nicht Allen bekannt sind:
Ettliche Kirchenvaeter erwaehnen, dass es ein Matthaeusurevangelium gab,das kuerzer als unsere heutige Fassung war und die ersten beiden Kapitel nicht enthielt! Ausserdem scheint es mehr ein Spruecheevangelium gewesen zu sein, etwa in der Art des Thomasevangeliums! Dieses existierte zur Zeit der Kirchenvaeter in einer Bilbliothek und wurde von den Urchristen benutzt (Nazarenern und Ebioniten)! Mir scheint dieses Urevangelium kann in Relation als eine Quelle fuer unsere heutigen Evangelien stehen!
Ich habe noch viele Details gefunden, ueber die wir gerne noch diskutieren koennen, wenn Ihr Interesse daran habt!

Liebe Gruesse
Michael
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon BC Editor » 5. Dezember 2012, 21:20

Hallo Michael,
Michael hat geschrieben:Das Matthaeusevangelium ist das erste in unseren Bibeln, aber die Gelehrten sagen, dass das Markusevangelium das aelteste ist!
Fakt ist, dass alle “synoptischen” Evangelien (Matthaeus, Markus und Lukas) einen textualen Zusammenhang haben, teilweise wortwoertliche Uebereinstimmungen, besonders zwischen Matthaeus und Markus!
Dies wird durch eine gemeinsame griechisch sprachige Quelle genannt “Q” erklaert!

diese allgemein verbreitete Annahme ist lediglich "interpretatorische Spekulation", wobei im wesentlichen auch als Grund/Beweis angeführt wird, dass bei sehr ähnlichen Texten der kürzere als der ältere oder ursprüngliche anzunehmen ist und der längere eine spätere und erweiterte Variante des kürzeren Textes sei.
Derartige Spekulationen entbehren jeglicher solider Grundlage.
Michael hat geschrieben:Nach dem Studium einer textualen Analyse durch Dr. Maurice Casey: An Aramaic Approach to Q, habe ich erhebliche Zweifel bekommen, ob diese Theorie so stimmt!
Dr. Casey ist Experte in Aramaeisch und Griechisch und weist in seiner Arbeit nach, dass weder eine einzige Quelle benutzt wurde, noch das es sich urspruenglich um rein griechische Texte handelt, bzw., dass diese Uebersetzungen aus dem Aramaeischen sind!

Auch ohne Dr. Casey und sein Werk zu kennen, bin ich schon seit vielen Jahren aufgrund einfacher Überlegungen der Ansicht, dass die Evangelien nicht ursprünglich auf Griechisch verfasst wurden, sondern in der "Muttersprache" der Evangelisten, wobei lediglich für Lukas eventuell Griechisch als Sprache in Erwägung gezogen werden könnte, aber auch in dem Evangelium gibt es textliche Eigenheiten, die auf Aramäisch als ursprüngliche Sprache hindeuten.
Michael hat geschrieben: Hier noch einige Informationen, die sicher nicht Allen bekannt sind:
Etliche Kirchenvaeter erwaehnen, dass es ein Matthaeusurevangelium gab,das kuerzer als unsere heutige Fassung war und die ersten beiden Kapitel nicht enthielt!

Welche Kirchenväter erwähnen (a) ein "Matthäusurevangelium", und (b) dass dieses die ersten beiden Kapitel nicht enthielt? Gibt es textliche Beweise oder Hinweise darauf? Oder wird dies aufgrund einer bestimmten Theologie von modernen Theologen propagiert, weil der Inhalt der ersten 2 Kapitel nicht gut in ihre Theologie passt?
Michael hat geschrieben:Ausserdem scheint es mehr ein Spruecheevangelium gewesen zu sein, etwa in der Art des Thomasevangeliums! Dieses existierte zur Zeit der Kirchenvaeter in einer Bilbliothek und wurde von den Urchristen benutzt (Nazarenern und Ebioniten)! Mir scheint dieses Urevangelium kann in Relation als eine Quelle fuer unsere heutigen Evangelien stehen!

Mir scheint da eher, dass das Thomasevangelium und/oder ähnliche Evangelien von Anfang an in der Gemeinde nicht allgemein als von Gott inspiriert angesehen wurden ...
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon Michael » 14. Dezember 2012, 18:05

Hallo Wolfgang,
folgende Info zur Erwaehnung des von Matthaeus geschriebenen Evangelium:

Papias, Bishop of Hierapolis, in Asia Minor (midsecond
century A.D.). Concerning the Hebrew origin of the Gospels,
he states: “Matthew put down the words of the Lord in the Hebrew
language, and others have translated them, each as best he could”
(Eusebius, Ecclesiastical History III 39, 16).

Irenaeus (120-202 A.D.) was Bishop of Lyons in France. Most
of his literary endeavors were undertaken in the last quarter of the
second century A.D. Irenaeus states: “Matthew, indeed, produced his
Gospel written among the Hebrews in their own dialect”...
(Eusebius Ecclesiastical History V8, 2).

Origen (first quarter of the third century), in his commentary on
Matthew, states: “The first [Gospel], composed in the Hebrew
language, was written by Matthew...for those who came to faith from
Judaism”

Eusebius, Bishop of Caesarea (circa 325 A.D.), writes: “Matthew
had first preached to the Hebrews, and when he was about to go to
others also, he transmitted his Gospel in writing in his native language”..
(Ecclesiastical History III 24, 6).

These are but a few of the references in the writings of the early
church fathers that indicate a Hebrew origin for the Gospels. In
addition to these, there are many references in the later church fathers
(the Post-Nicean Fathers, from approximately 325 A.D.). Epiphanius
[died 403 A.D.] for instance, writes at length about the Jewish-
Christian sect of the Nazarenes: They have the entire Gospel of
Matthew in Hebrew. It is carefully preserved by them as it was
originally written, in Hebrew script (Refutation of All Heresies 29, 9,4)....

Jerome (died 420 A.D.), was by far the most knowledgeable in
Hebrew of all the church fathers....Concerning Matthew’s Gospel,
Jerome writes: “Matthew was the first in Judea to compose the gospel
of Christ in Hebrew letters and words...Who it was that later translated
it into Greek is no longer known with certainty. Furthermore, the
Hebrew text itself is still preserved in the library at Caesarea which the
martyr Pamphilus assembled with great care (De Viris Inlustribus 3)....

Jerome (in Mattheum 12,13) refers to "the Gospel which the Nazarenes and the Ebionites use" which he had translated from Hebrew into Greek, and which was called by many (of them) the original Gospel of Matthew (Latin: quod vocatur a plerisque Mathei authenticum).


Wir haben Zitate aus einer solchen Quelle von Cyrill von Jerusalem, Jerome, Origenes, Didymus, Clemens von Alexandria.
In Stichometry schreibt Nikephoros, dass das Evangelium nur 2200 Zeilen hatte,also 300 Zeilen weniger als unser heutiges Matthaeus Evangelium!
Die ersten beiden Kapitel fehlten, sie sind ein spaeterer theologischer Prolog und wurden als solcher vom Redakteur des griechischen Textes hinzugefuegt!
Laut dem Schueler von Dr. Lamsa, Dr. Rocco Errico waren diese beiden Kapitel auf zwei separaten Rollen!
Young's Woertliche Uebersetzung (YLT Bible)
uebersetzt den Anfang des ersten Matthaeus Verses wie folgt:
A roll of the birth of Jesus Christ......
Im aramaeischen Text der Peshitta steht das Wort Kthawa, das unter anderem auch "Rolle" bedeutet!
Es gibt wohl auch Textstudien die beweisen, dass die beiden Kapitel sprachlich verschieden vom uebrigen Text sind, schon Tatian zu Ende des zweiten Jahrhunderts war bekannt, das die beiden ersten Kapitel nicht im hebraeischen Matthaeus waren!

Das Thomas Evangelium habe ich nur erwaehnt als Beispiel fuer ein Spruecheevangelium, ich habe nicht behauptet es sei mit unseren Bibelschriften gleich zusetzten!

LG
Michael
Zuletzt geändert von Michael am 22. Dezember 2012, 01:48, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon Michael » 14. Dezember 2012, 18:32

Hallo Wolfgang,
ich habe noch etwas gefunden, dass interessant ist:

The Catalog of Eusebius states ...which some reject, but which others class with the accepted books. And among these some have also placed
the "Gospel of the Hebrews", with which those Hebrews who accept Christ are especially delighted. All these may be reckoned among the
disputed books - Eusebius, Hist.Eccl., 3.25.5 ** See also Nicephorus, Patriarch of Constantinople, who produced a catalog of New Testament
books, followed by that of the antilegomena (which contains the Revelation of John) and that of the apocrypha. Next to each book is the count
of its stichoi (lines). The following is an excerpt. New Testament (writings) the following are gainsaid: 1. The Revelation of John 1400 lines 2.
The Revelation of Peter 300 lines 3. The Epistle of Barnabas 1360 lines 4. The Gospel of the Hebrews 2200 lines Apocrypha of the New
Testament: 1. The Circuit of Paul 3600 lines 2. The Circuit of Peter 2750 lines 3. The Circuit of John 2500 lines 4. The Circuit of Thomas
1600 lines 5. The Gospel of Thomas 1300 lines 6. The Didache 200 lines 7. The 32 (books) of Clement 2600 lines It is important to note that
the Gospel of the Hebrews is 2200 lines, 300 fewer than Greek Matthew. (Nicephorus, Patriarch of Constantinople, in his Stichometry

Es sieht so aus als wenn der hebraeische Matthaeus als akzeptiertes Buch zur Zeit des Eusebius betrachtet wurde! Auch andere Schriften sind hier erwaehnt!


LG
Michael
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon BC Editor » 15. Dezember 2012, 10:25

Hallo Michael
Michael hat geschrieben:folgende Info zur Erwaehnung des von Matthaeus geschriebenen Evangelium:
...
...
These are but a few of the references in the writings of the early
church fathers that indicate a Hebrew origin for the Gospels.

einige dieser Infos waren mir auch bekannt .... und sind u.a. ein wesentlicher Grund, weshalb ich der Meinung bin, dass die Evangelien und restlichen NT Schriften womöglich alle zunächst in Aramäisch (hier wohl als "Hebrew language" bezeichnet) verfasst wurden.
Michael hat geschrieben:In addition to these, there are many references in the later church fathers (the Post-Nicean Fathers, from approximately 325 A.D.). Epiphanius [died 403 A.D.] for instance, writes at length about the Jewish-Christian sect of the Nazarenes: They have the entire Gospel of Matthew in Hebrew. It is carefully preserved by them as it was originally written, in Hebrew script (Refutation of All Heresies 29, 9,4)....

Jerome (died 420 A.D.), was by far the most knowledgeable in Hebrew of all the church fathers....Concerning Matthew’s Gospel, Jerome writes: “Matthew was the first in Judea to compose the gospel of Christ in Hebrew letters and words...Who it was that later translated it into Greek is no longer known with certainty. Furthermore, the Hebrew text itself is still preserved in the library at Caesarea which the martyr Pamphilus assembled with great care (De Viris Inlustribus 3)....

Jerome (in Mattheum 12,13) refers to "the Gospel which the Nazarenes and the Ebionites use" which he had translated from Hebrew into Greek, and which was called by many (of them) the original Gospel of Matthew (Latin: quod vocatur a plerisque Mathei authenticum).

Dies sind schon sehr interessante Informationen bzgl der Situation des Matthäus Evangeliums. Bislang habe ich aufgrund der Tatsache, dass auch in der aramäischen Peshitta das Matthäusevanglium in der uns aus den griechischen Handschriften bekannten Länge wiedergegeben ist, gefolgert, dass wohl das von den Nazarener und Ebioniten benutzte Evangelium womöglich von ihnen um die Teile "gekürzt" wurde, welche nicht recht mit ihrer Theologie passten.
Michael hat geschrieben:Wir haben Zitate aus einer solchen Quelle von Cyrill von Jerusalem, Jerome, Origenes, Didymus, Clemens von Alexandria. In Stichometry schreibt Nikephoros, dass das Evangelium nur 2200 Zeilen hatte,also 300 Zeilen weniger als unser heutiges Matthaeus Evangelium!
Die ersten beiden Kapitel fehlten, sie sind ein spaeterer theologischer Prolog und wurden als solcher vom Redakteur des griechischen Textes hinzugefuegt!

Wenn dem so ist, muss man sich nun aber fragen, ob die vorliegenden aramäischen NT Ausgaben (z.B. Peshitta) dann überhaupt auf den ursprünglichen aramäischen Text zurückgehen, oder ob sie eventuell quasi "Rückübersetzungen" aus dem Griechischen darstellen?

Vielen Dank für die gesammelten Informationen und dass Du diese hier mit einem Beitrag eingebracht hast!
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon Michael » 15. Dezember 2012, 20:35

Hallo Wolfgang,
es gibt inzwischen einige Untersuchungen, die zeigen, dass die Peshitta keine Rueckuebersetzung vom griechischen ist!
Ich habe da so einiges gelesen, das mich davon ueberzeugt! Aber eines scheint mir klar zu sein, wie auch das griechische NT,
ist die Peshitta eine Zusammenfuegung (Kanonisierung) verschiedener aramaeischer Texte, die im Laufe der Zeit erfolgte!
Es ist ziehmlich muessig aus meiner Sicht zu spekulieren, welche Texte aelter sind, ich denke das sowohl griechische als auch aramaeische
Texte sehr frueh entstanden sind!
Die einen fuer die Heiden Mission im Westen, die anderen fuer die Mission im Osten!
Schaut man sich die Geschichte der Apostolischen Ostkirche an, so wird uns berichtet, das die dortigen Nazarener (wir haben einen Text aus dem vierten Jahrhundert wo der persische Herrscher die Christen im Perserreich so bezeichnet) immer aramaeische Texte hatten und es gibt keinerlei Aufzeichungen darueber, dass diese aus dem griechischen uebersetzt wurden! Was sollten die Nazarener auch mit griechischen Texten bei der Missionierung im Osten (Iran,Irak, Indien und spaeter sogar China) anfangen? Sie wandten sich an aramaeisch sprechende Juden! Z.B. gruendete der Apostel Peter eine Gemeinde in der groessten juedischen Gemeinschaft ausserhalb Israels, in Babylon! Die Ostkirche lehnt uebrigens die Interpretation des Briefes von Peter, mit Babylon sei Rom gemeint ab und weist auf ihre Tradition hin, dass Peter auch in Babylon gestorben ist, nicht in Rom! Es gibt leider kaum Literatur ueber die Geschichte des Christentums im Osten! Man hat uebrigens in China eine Steele in aramaeisch und chinesisch beschriftet gefunden, die auf die Ankunft christlicher Missionare in China hinweist!
Ich denke wir haben alle nur ein halbes Wissen ueber das Christentum, naemlich nur ueber die des westlichen Ablegers! Von Rom wurden die Nazarener einfach zu Ketzern erklaert und waren damit abgeschrieben, ab der Mitte des zweiten Jahrhunderts war Rom das Zentrum und nicht mehr Jerusalem,damit entfernte man sich immer mehr vom urspruenglichem Glauben, in Indien wurde die Peshitta von portogisischen Missionaren (Jesuiten) systematisch eingesammelt und verbrandt, aber das ist noch eine eigene Geschichte!

LG
Michael
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon Michael » 19. Dezember 2012, 19:20

Hallo Wolfgang,
Du hast gefragt: Dies sind schon sehr interessante Informationen bzgl der Situation des Matthäus Evangeliums. Bislang habe ich aufgrund der Tatsache, dass auch in der aramäischen Peshitta das Matthäusevanglium in der uns aus den griechischen Handschriften bekannten Länge wiedergegeben ist, gefolgert, dass wohl das von den Nazarener und Ebioniten benutzte Evangelium womöglich von ihnen um die Teile "gekürzt" wurde, welche nicht recht mit ihrer Theologie passten.

Meine Antwort: Es ist genau anders herum! Die Nazarener/Ebioniten sahen in Yeshua einen Menschen, den Messias fuer Israel, keine 2. Person einer Trinität! Sie waren Adaptionisten, d.h. sie glaubten, dass Yeshua mit der Taufe den Heiligen Geist von Gott empfangen hat und so zum Messias wurde, er wurde als Gottes Sohn adaptiert!

Hier einige Auszüge aus dem aramäischen Evangelium:

"Das Evangelium, das von den Nazarenern (nach Matthaeus) benutzt wurde..."



zitiert nach Jerome:

"Im hebräischen Evangelium, dass die Nazarener lesen, steht, `Die ganze Fontaene des Heiligen Geistes kam auf ihm herunter. Weil der Herr der Geist ist, und wo der Geist ist, gibt es Freiheit.' Später in demselben Evangelium finden wir das folgende: `Und als es geschah, als der Herr aus dem Wasser heraufkam, die ganze Fontaene des Heiligen Geistes auf ihn herunterkam und auf ihm ruhte. Es (Ruach HaKodesh, Heiliger Geist, weiblich im hebraeischen! ) sagte zu ihm: „Mein Sohn, ich wartete durch alle Propheten, auf Dich, damit Du kommst und ich in Dir verweilen kann. Weil Du der Ort meines Auffenthalts bist, bist Du mein zuerst gezeugter Sohn, der für immer herrscht.“

Kommentar : In dieser Version der Tauf-Szene ist die Stimme die des Heiligen Geistes, nicht von Gott direkt, weil im Rest des Evangeliums …Ich wartete auf Dich in allen Propheten, steht. Weisheit wird in Weisheit Salomons 7:27 ähnlich beschrieben: `In jeder Generation geht Sie in heilige Seelen ein und macht sie zu Propheten und Freunden Gottes.' so konnte ich mich ausruhen. Der Heilige Geist spricht wie Gottesverstand: „Ich habe etwas unter allen Leuten und Nation erworben. Unter ihnen allen suchte ich Aufenthalt. Ich bemühte mich, mein Haus in jemandes Land (Sirach 24:6-7) zu machen.“

Ausserdem sagt Yeshua dort: „Meine Mutter, Ruach HaKodesh, nahm mich bei meinen Haaren und trug mich zum Berg Tabor....“

Dort wurde Yeshua dann versucht!

Man kann deutlich erkennen, dass dies nicht mehr zur römischen Theologie passte und daher eine Überarbeitung notwendig wurde! Laut Paulus wurde Yeshua erst durch die Auferstehung zum Messias! Auch fehlt die Jungfrauengeburt, von der auch Paul nichts wusste, wie auch Mark und Johannes nichts davon berichten!
Der theologische Prolog, Kapitel eins und zwei im griechischen Matthäus passen das ganze in der gewünschten Weise dann an!

Soweit meine Sichtweise!

LG
Michael
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon BC Editor » 20. Dezember 2012, 16:00

Hallo Michael,
Michael hat geschrieben:Du hast gefragt: Dies sind schon sehr interessante Informationen bzgl der Situation des Matthäus Evangeliums. Bislang habe ich aufgrund der Tatsache, dass auch in der aramäischen Peshitta das Matthäusevanglium in der uns aus den griechischen Handschriften bekannten Länge wiedergegeben ist, gefolgert, dass wohl das von den Nazarener und Ebioniten benutzte Evangelium womöglich von ihnen um die Teile "gekürzt" wurde, welche nicht recht mit ihrer Theologie passten.

Meine Antwort: Es ist genau anders herum!

Warum stehen dann in der in den Aramäisch sprechenden Gemeinden allgemein benutzten und als inspiriert akzeptierten aramäischen Peshitta die Kapitel in Matthäus, welche in der Ebioniter Fassung von Matthäus fehlen?
Michael hat geschrieben: Die Nazarener/Ebioniten sahen in Yeshua einen Menschen, den Messias fuer Israel, keine 2. Person einer Trinität! ...

Mich interessiert aber nicht, was die Nazarener/Ebioniten oder die Römer-Katholiken oder sonstwer glaubte und lehrte ... mich interessiert, was die Texte aussagen und wie sich eventuell vorhandene Unterschiede in den unterschiedlichen Überlieferungen zueinander verhalten und welche textlichen Anhaltspunkte es gibt anhand derer man bestimmen kann, wie der ursprüngliche Text gelautet und welche späteren Abänderungen (Ergänzungen / Streichungen) es gegeben haben kann.
Michael hat geschrieben:Man kann deutlich erkennen, dass dies nicht mehr zur römischen Theologie passte und daher eine Überarbeitung notwendig wurde!

ich kann noch "deutlicher" erkennen, dass die in der Peshitta vorhandenen ersten beiden Kapitel in Matthäus nicht zu dieser Lehre der Ebioniten passte und daher eine Überarbeitung / Streichung notwendig wurde ...
Michael hat geschrieben: Laut Paulus wurde Yeshua erst durch die Auferstehung zum Messias!

Also in der Röm 1 Stelle steht das so auch nicht .... vielmehr lehrt Paulus, dass Jesus durch die Auferstehung als Messias "bestätigt" wurde ... nicht aber erst dadurch der Messias wurde.
Michael hat geschrieben:Auch fehlt die Jungfrauengeburt, von der auch Paul nichts wusste, wie auch Mark und Johannes nichts davon berichten!

Wenn man nur das nehmen wollte, was in allen vier Evangelien berichtet wird, gäbe es noch eine Menge mehr an Text zu streichen ...
Michael hat geschrieben:Der theologische Prolog, Kapitel eins und zwei im griechischen Matthäus passen das ganze in der gewünschten Weise dann an!

Nur rede ich nicht von dem Prolog im griechischen Matthäus, sondern von dem in der aramäischen Peshitta ... oder bin ich etwa einer Peshitta Fälschung aufgesessen, da in der Ausgabe Matthäus den gleichen Umfang hat wie in den Bibeln, die aus den griechischen Texten übersetzt wurden?
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Wolfgang Schneider
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon Michael » 20. Dezember 2012, 21:27

Hallo Wolfgang,
also die Peshitta stellt doch genauso den Stand des 4. Jahrhunderts dar, wie die entsprechende griechischen Texte (vaticanus und sinaiticus) auch!
Die Peshitta enthielt bis zum 5. Jahrhundert die sogenannten "western 5" noch nicht, also 5 Briefe weniger als die griechischen Versionen, diese wiederum enthielten Texte die unsere heutigen Bibeln nicht mehr enthalten und auch nie Bestandteil der Peshitta waren!
Ich gehe davon aus, dass beide Versionen, die griechische und die aramaeische nicht mehr die ganz fruehen Texte abbilden, diese sind uns nicht mehr verfuegbar! Man kann nur mit Sicherheit sagen, dass die Peshittatexte ein wesentlich hoeheres Mass an Uebereinstimmung haben, als die griechischen!
Es ist bekannt, dass vor der allgemeinen Benutzung der Peshitta, aramaeische Texte benutzt wurden, die nur die vier Evangelien enthielten und/oder auch eine Version, die eine Zusammenfassung der vier Evangelien war!
Es koennte sein, das der Syrus Sinaiticus fuer eine dieser fruehen Formen steht, dort steht ja bekannter Weise im Matthaeusevangelium, dass Josef der Vater Yeshua's war, es gibt eine handvoll griechischer Texte, die das auch enthalten! Die Frage, die sich stellt ist die: sind das dann Texte, die sozusagen ein Zwischenstadium darstellen, zwischen dem "Urmatthaeus und der heutigen Form?
Fuer die Peshitto (westlicher Text) gibt es folgende Aussage der syrisch orthodoxen Kirche:

"Im frühen fünften Jahrhundert, kam der lange Prozess der Überarbeitung der Old Syriac zum Stillstand, die ihren Höhepunkt in der Peshitto Version hatte. Daher ist die Peshitto nicht eine neue Übersetzung, sondern eine Überarbeitung der alten syrischen Evangelien. Doch die Peshitto enthält auch den Rest der Bücher des Neuen Testaments mit Ausnahme der Minor Katholischen Briefe (2 Peter, 2 und 3 Johannes und Judas) und Offenbarung. Bis zum heutigen Tag wird aus diesen Büchern nicht in syrischen Kirchen gelesen. In den Peshitto Manuskripten sind die Katholischen Briefe zwischen den Taten der Apostel und der Paulinen Epistl platziert". http://sor.cua.edu/Bible/Peshitto.html

Die Peshittatexte sind laut Dr. Lamsa aelter und die Peshitto wurde erst nach der Trennung in westlich und oestlich aramaeische Kirche eingefuehrt!
An einigen Stellen ist die Peshitto den griechischen Texten naeher als die Peshitta, das sieht ganz so aus, dass man das im 5.Jahrhundert "angepasst" hat!
Dazu muss man wissen, dass die syrisch orthodoxe Kirche theologisch der rk Kirche wesentlich naeher steht als die assyrische Ostkirche!
Ich finde das ganze ist nicht so einfach, welche Schluesse man in Bezug auf die Peshitta daraus zieht, wird sehr kontrovers diskutiert!
Auch ich habe da noch keine entgueltige Position und bin dabei mich noch tiefer rein zu arbeiten!

Du sagst:ich kann noch "deutlicher" erkennen, dass die in der Peshitta vorhandenen ersten beiden Kapitel in Matthäus nicht zu dieser Lehre der Ebioniten passte und daher eine Überarbeitung / Streichung notwendig wurde ...

Aber bitte schoen, die Nazarener (Jerusalemer "Urkirche") waren doch die eigentlichen Nachfolger Jesu, und wurden 30 Jahre von Jakobus dem Bruder des Herrn und Petrus geleitet! Da meinst Du wirklich die haben da was raus gestrichen, aber wenn Du das so siehst, so haben das auch eigentlich spaetere Kirchevaeter gesehen, warum ist klar erkennbar, fuer die waren die Nazarener Juden, mit denen man nichts mehr am Hut hatte, also hat man das so dargestellt! Uebrigens war ein Kirchenvater des zweiten Jahrhunderts in Jerusalem und hat sich gewundert, dort "nur" Juden(christen) gefunden zu haben....


LG
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Re: Neue Erkenntnisse zum Matthaeusevangelium

Beitragvon Michael » 21. Dezember 2012, 01:39

Hallo Wolfgang,
als in 160 Bischof Melito von Sardis nach Judea ging, um zu entdecken, was aus der legendären Jerusalemer Kirche geworden war, fand er zu seiner Betroffenheit eine kleine Gruppe von Christen, die sich Ebioniten oder 'die Armen Männer' nannten, die ihr eigenes Evangelium hatten und Juden geblieben waren!
Folgender Artikel findet sich im Universallexikon:

Bischof von Sardes, Apologet und christlicher Schriftsteller, ✝ vor 190. Seine an Mark Aurel gerichtete Apologie ist nur bruchstückhaft erhalten. Trat im Osterfeststreit des 2. Jahrhunderts für die abweichende Festpraxis einer Minderheit ein (Quartadecimaner). In seiner hymnischen Osterpredigt »De passione« findet sich neben wichtigen Einblicken in die frühchristliche Erbsünden- und Erlösungslehre erstmals explizit der folgenreiche, an die Juden gerichtete Vorwurf des Gottesmordes.

Das nur um auch noch die Info zu liefern wer der "Kirchenvater" war!

LG
Michael
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