Entstehung der Trinitätslehre

Austausch zu Fragen bzgl. der Trinitätslehre

Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon BC Editor » 14. März 2012, 08:49

Es ist allgemein bekannt und anerkannt, dass die Trinitätslehre (Dreieinigkeitslehre/Dreifaltigkeitslehre) nicht direkt in den biblischen Schriften erwähnt wird, sondern erst im Laufe der ersten Jahrhunderte n.Chr. entwickelt wurde. Offenbar hatten einige der sogenannten Kirchenväter mit heidnischem Hintergrund großen Einfluß auf die Einführung und weitere Entwicklung dieses Dogmas. Erst in den Konzilien des 4. Jahrhunderts n.Chr. wurde dann das Dogma endgültig festgelegt und für die Kirche(n) verbindlich eingeführt.
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Wolfgang Schneider
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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon Markus » 16. März 2012, 10:10

Hallo Wolfgang!

Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Trinitätslehre hatte wohl die Übernahme der Philosophie vom Logos, welcher von den Griechen stammte und zunächst von Philo einem von der Philosophie der Griechen beeinflussten Juden(20 vor Zeitrechnung bis 44 nach Zeitrechnung) aus Alexandrien in Zusammenhang mit dem Montheismus gebracht wurde.

1.)Dieser Philo verstand die Weisheit in Sprüche 8,22-30 als eine eigene von GOTT zu unterscheidende Person und übertrug das Konzept des Logos darauf. Philo sah den Logos/die Weisheit als eine von GOTT geschaffene Person vor aller anderen Schöpfung an. Philos Gedanken wurden wiederum zuerst von dem sogenannten Kirchenvater und Maryrer Justinus 82-165 nach Zeitrechnung übernommen und verarbeitet, so dass die Weisheit/bzw der Logos nunmehr mit dem Messias Jesus gleichgesetzt wurde. Dieses Gedankengut breitete etwa nach 120 sich sehr bald unter den führenden Vertretern der Kirche aus, wobei der Sohn GOTTES von vielen immer noch GOTT untergeordnet und als absolut erstes Geschöpf angesehen wurde

2.)Daneben spielte auch die Philosophie etlicher Platoniker eine grosse Rolle. GOTT wurde so sehr als GEIST(IG) und von der Welt getrennt gedacht, dass ER unmöglich der SCHÖPFER der physischen und materiellen Welt sein konnte. Für die Erschaffung der physischen und materiellen Welt war nach deren Ansicht der Logos zuständig, eine DEM absoluten GOTT untergeordnete und von IHM geschaffene Gottheit, welche der Materie mehr verwandt war, als DER absolute GOTT..

Diese Vorstellungen haben die Entwicklung der Trinitätslehre in den verschiedenen Formen ganz wesentlich begünstigt und gefördert und sozusagen die dann folgenden Stufen eingeleitet und begleitet.

LG Markus
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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon BC Editor » 16. März 2012, 20:29

Hallo Markus,
Markus hat geschrieben:1.)Dieser Philo verstand die Weisheit in Sprüche 8,22-30 als eine eigene von GOTT zu unterscheidende Person und übertrug das Konzept des Logos darauf. Philo sah den Logos/die Weisheit als eine von GOTT geschaffene Person vor aller anderen Schöpfung an.
...

das ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, was geschieht, wenn man Redefiguren (hier: Personifikation) im Text nicht erkennt und dann versucht, den Text im buchstäblichen Sinne zu verstehen.

In Spr 8 wird "die Weisheit" mittels der Redefigur Personifikation als eine Person/eine Frau geschildert, um deren Wirken für den menschlichen Leser zu betonen. Die Weisheit ist selbstverständlich KEINE Person, keine Frau, und sie wird auch nicht zu einer Person, wenn sie mittels dieser Redefigur als hier eingesetztem Stilmittel als "Person" beschrieben wird.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon Markus » 19. März 2012, 12:01

Hallo Wolfgang!

Zumal die Weisheit, ja sogar noch eine Nachbarin hat, mit Namen Einsicht/bzw Klugheit. Die, welche der Logos-Philosophie verfallen sind, nehmen einen einzelnen Abschnitt aus dem Buch der Sprüche(8,22-30) und legen da die Weisheit völlig anders aus, wie sie es im ganzen übrigen Buch der Sprüche tun.

Bei der Entstehung der Trinitätslehre haben eine Menge philosophischer Gedanken eine Rolle grosse Rolle gespielt. Und hinter philosophischer Gedanken stehen wie ich denke auch geistige Machte eine grosse Rolle.

Ausserdem denke ich, dass in der Gemeinde nach und nach die hebräischen Wurzeln, und das hebräische Denken immer mehr verdrängt wurde.

Die Bibel wurde, wenn überhaupt immer mehr aus der Perspektive philosophischer Überlegungen gelesen bzw interpretiert.

Die Ansicht, dass der Sohn GOTTES der präexistente Schöpfer des Universums sei, ähnelt der Vorstellung welche hohe Freimaurer vom Satan als Schöpfer der Welt haben.

GOTT im absoluten Sinn wird dort als unerschaffener Urgrund betrachtet, der nicht mit Materie umgehe. Für die Materie sei daher eine untergeorndete bzw geschaffene Gottheit zuständig, welche mit der Materie mehr verwandt sei, als die rein geistige URGOTTHEIT. Genau diese Sichtweise vertraten die griechischen Philsophen und Gnostiker

LG Markus
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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon Evangelina » 2. April 2012, 11:07

Hallo Wolfgang,

Ich bin ein Nichttrinitarier und ich finde gut wie du die Entstehung der Trinität beschreibst.
Ich habe alleine gesucht warum die Christen immer wieder ein gebet mit "Lieber Jesus" anfangen und Gott der Vater dabei vergessen
Am Anfag als ich noch in Gymnasium war, dachte ich dass nur Gott ist doch grösser als der Sohn, warum wird dann der Sohn mehr verehrt als der Vater?
Hat nicht Gott seinen Sohn zu uns geschickt? Ist nicht Gott die Quelle was alles Jesus getan hat?
Nimand hat mich verstanden, meine Fragen waren wie aussererdisch, traurig aber gleichzeitig auch glücklich dass ich meine Meinung unabhängig habe
und dass Gott sich drüber freut.

Seit fast einem Jahr besuche ich eine F.E.Gemeinde, nicht weit von zu Hause, aber in den letzten Monaten halte ich Abstand hinzugehen.
Das Thema Dreieinigkeit wurde im Bibelkreis und in der Gemeinde mehrere Wochen diskutiert und das hat der Leiter der Gemeinde vorgeschlagen
nur nach dem ich ihm gesagt habe dass ich die Trinitätslehre nicht annehmen kann.
Ich hab noch mal im Internet etwas über Tertulian und die Konzilien gelesen, wie die Kaiser um Macht kämpften und ich kann meine Meinung nicht ändern.
Die Trinitätslehre ist und bleibt eine These die nicht mit der Bibel zu tun hat, sondern mit geschichte, Macht und Politik.
Ich denke dass durch die Lehre der Trinität ist die Originalität des eigentlichen Christentum verloren gegangen
Was ich dich fragen möchte:
Warum hällt der Leiter der Gemeinde so fest an die Dreieinigkeit? Ist die Trinitätslehre eine Bedingung um eine Kirche / Gemeinde zu bauen und zu leiten?

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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon Markus » 3. April 2012, 11:20

Hallo Evangelina!

Nachdem ich vor einigen Jahren die fundamentale Wahrheit erkennen durfte, dass JaHWeH nur EINER, DER GOTT und VATER des Herrn Jesus Christus ist, habe ich immer wieder versucht diese Wahrheit bei Freunden zur Sprache und zur Diskussion zu geben, insbesondere auch in der Familie. Ich komme aus dem sogenannten Pietismus, der Gemeinschaftsbewegung und besuche einen ähnlich orientierten Hauskreis.

Dabei habe ich immer mehr feststellen müssen, dass Jesus Christus, der Sohn GOTTES, DEN EINZIGEN und EINZIGARTIGEN GOTT völlig verdrängt hat. In den Gebetsgemeinschaften wird in pietistischen, freikirchlichen, baptistischen und darbystischen Kreisen in der Regel zu Jesus gebetet. Inn der Landeskirche wird trotz der Trinität eher zu GOTT/VATER gebetet.

Die Kirchenväter, Polykarp, Justinus, Irenäus, Tertullian und Origenes haben ihre Gebete in der Regel an GOTT/VATER gerichtet. Diese Männer glaubten wohl an einen präexistenten Logos, aber GOTT, der Sohn GOTTES und der heilige Geist wurde von keinem als gleich allmächtig, allwissend und allgegenwärtig bezeichnet, wie es zum Beispiel das athanasische Bekenntnis zum Ausdruck bringt. Für dies vorher erwähnten Kirchenväter war Jesus, der Sohn GOTTES eindeutig GOTT bzw DEM VATER untergeorndet. Aber es gab einige Punkte, bei welchen es nicht nur unterschiedliche Ansichten bei den genannen Kirchenvätern gab, sondern bei denen sich auch die Ansichten der zur Sprache gebrachten Kirchenväter wechselten. Präexistenz, Logos, Emanation, Zeugung, Schöpfung spielten dabei eine große Rolle. Ein häufiges Verständnis war und ist dass der Sohn eine Emanation(gestalthafte Ausstrahlung)GOTTES sei.

LG Markus
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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon Evangelina » 3. April 2012, 17:03

Hallo Markus,

Nach dem ich dein Beitrag gelesen habe, fühlte ich mich gut. Ich freue mich sehr wenn ich lese dass es noch Menschen gibt die ähnlich glauben wie ich,
dass du in einem Hauskreis teilnimmst wo du mit deinen Freunden über Gemeinsamkeiten und Themen im Glauben sprichst, das muss toll sein, ich freue mich für dich.
Auch wenn ich mit meiner Meinung alleine bin und nicht in einem Kreis drüber sprechen kann, halte ich trozdem fest an dieser Wahrheit was ich alleine gesucht und gefunden habe. :D
Dass es in der Landeskirche trotz der Trinität eher zu Gott gebetet wird, das hat mich überrascht, aber das stimmt. Ich hab das nicht gemerkt.

Aber was ich mich in den letzten Zeit frage und was ich dich auch fragen möchte: warum die Menschen so fest an der Dreieinigkeit festhalten?
Wenn jemand eine Kirche baut, muss sich an gewisse Bedingungen/Regeln halten?
Ist die Trinitätslehre eine Bedingung um eine Kirche/ Gemeinde zu bauen?
Muss der Leiter dann unterschreiben dass er bestimmte Lehren/ Regeln annimmt? oder spielt das keine Rolle

ich frag das weil ich das Gefühl habe dass viele vieles verdrängen weil es anders nicht geht.

Wo kann man drüber lesen? Kennst du eine Internetseite oder ein Buch?
ich würde mich freuen
Danke dir

Grüsse
Evangelina
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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon BC Editor » 4. April 2012, 07:03

Hallo Evangelina
Evangelina hat geschrieben:Aber was ich mich in den letzten Zeit frage und was ich dich auch fragen möchte: warum die Menschen so fest an der Dreieinigkeit festhalten?

aus meiner Erfahrung im Kontakt mit Christen aus unterschiedlichsten Kirchen / Konfessionsgemeinschaften über viele Jahre erscheint es mir, als würde diese Lehre als "Grundpfeiler des Christentums" in diesen Gemeinschaften gelehrt und - auch wenn nicht unbedingt oft darüber gelehrt und/oder diese Lehre in den Vordergrund geschoben wird - als ein wesentlicher "Maßstab" für "Mitgliedschaft" genommen. Sprich, sobald man diese Lehre in Frage stellt und andeutet, dass man diese nicht glaubt, stellen sich meist sehr schnell "Feindseligkeiten" in der Beziehung zu den leitenden Gremien und Personen in diesen Gruppen ein, und gar viele haben dann die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass selbst "gute Freunde" zu "schlimmen Feinden" werden und sie innerhalb kurzer Zeit aus der Gemeinschaft ausgestoßen wurden. Es ist also durchaus eine Art "Gruppenzwang", mit dem Menschen an dieser Lehre festgehalten werden, denn wer möchte schon gerne ein "Ausgestoßener" sein?
Evangelina hat geschrieben:Wenn jemand eine Kirche baut, muss sich an gewisse Bedingungen/Regeln halten?
Ist die Trinitätslehre eine Bedingung um eine Kirche/ Gemeinde zu bauen?
Muss der Leiter dann unterschreiben dass er bestimmte Lehren/ Regeln annimmt? oder spielt das keine Rolle

Die Kirchen und Konfessionsgemeinschaften haben fast alle bestimmte Glaubenssätze (oft angelehnt an das Nizäische Glaubensbekenntnis), die für eine Mitgliedschaft akzeptiert werden müssen .. und auf deren Einhaltung selbstverständlich im Falle von bezahlten Angestellten (Pfarrer, Pastoren, Gemeindemitarbeiter) ganz besonders geachtet wird. Immerhin gilt ja jede Abweichung von diesen Glaubenssätzen als "falsche Lehre" .... und eine solche Abweichung will man und wird man innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft meist nicht tolerieren.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon Evangelina » 4. April 2012, 09:24

Hallo,
Danke für deine Antwort. deine Antwort hat meine Vermutung bestätigt.
Ich bin jetzt neugierig was ein Pfarer oder ein Leiter antwortet.

Grüsse
Evangelina
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Re: Entstehung der Trinitätslehre

Beitragvon Evangelina » 4. April 2012, 16:43

Hallo Markus,
du hast mir geschrieben aus welcher Glaubensbewegung kommst, das Pietismus.
ich komme aus verschiedene Glaubensrichtungen:
in bin in die ersten 10 Jahre in einer Pfingstgemeinde aufgewachsen.
als ich 10 war, bin mit meiner Familie in die Stadt umgezogen, und mein Vater und andere 2 Freunde haben versucht im Hof eine Gemeinde aufzubauen:
eine Pfingstgemeinde die Sabath hält, 14 Nissan, 1 Tisri neues Jahr, Versönungstag, Erntedankfest nach dem aktuellen judischen Kallender hält
Als ich 12 hab mich taufen lassen. Vier von meinen Geschwistern sind in einer Baptistgemeinde immer öfter gegangen und kamen Probleme immer mehr:
Meine Eltern haben sich geschieden: ich hab Adventistgemeinde besucht aber nur ab und zu, dann habe ich 2 Jahre eine Pfingstgemeinde besucht
wo ich Mitglied werden wollte, ich wollte dazu gehören, aber das Rat hat mir verlangt mich noch mal taufen zu lassen, als Bedingung für die Mitgliedschaft,
was ich traurig und weinend abgelehnt habe. Als ich 20 war hab eine Bibelschule( 4 Jahre) bei den Baptisten besucht wo es mir gefallen hat, ich wollte mir Zeit lassen
, inzwischen hab gefunden Hauskreis oder kleine Gemeinde die die iudische Feiertage halten und war auch dort ab und zu.
Später hab ich mit dem Pastor gesprochen dass ich in der Baptistgemeinde Mitglied werden möchte.
Den termin hab ich verschoben da ich mit meiner Schwester nach Deutschland mitgefahren bin, um das Geld zu sparen,
hab mich so spontan entschieden( da ich schon geplant habe im August nach Deutschland zu fahren, als meine Schwester da war, da hab ich die Chance genutzt).
In der Bibelschule hab immer mehr gesucht und so ist aus mir ein Nichttrinitarier geworden, auch wenn die ganze Schule, familie und Freunden an die Trinität glaubten.

Hier in Deutschland hab ich F Ev. Gemeinde besucht da ich bei einem Jungendtreff mein Mann kennengelernt habe.
Das was ich gesucht und gefunden habe, war, ist und bleibt mir sehr wert.

Aus welcher Gemeindschaft ich komme weiss ich immer noch nicht :mrgreen:

Gruss
Evangelina
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